Gefängnisseelsorger als eines der Gesichter der Kampagne «Ich bin dabei»

Dienstag, 1. September 2026

Die Imagekampagne «Ich bin dabei» von Bistum und Katholischem Konfessionsteil St.Gallen stellt Menschen wie Stephan Brunner ins Zentrum. Er arbeitet als Gefängnisseelsorger für die Katholische Kirche im Bistum St.Gallen und steht in dieser Funktion den Inhaftierten sowie den Mitarbeitenden im Massnahmenzentrum Bitzi in Mosnang zur Seite. In seiner Funktion sei er nicht Teil der Behörden und könne sich ganz auf die jeweiligen Menschen einlassen, so Brunner.

20260901 Stephan Brunner Kampagnenplakat

Wer Stephan Brunners Instagram-Profil verfolgt, merkt schnell: Er ist leidenschaftlicher Fotograf. Da reihen sich Schnappschüsse und fein säuberlich arrangierte Fotografien aneinander. Dieser Kreativität nicht genug, hat er vor kurzem auch wieder mit dem Malen begonnen. Man merkt schnell: Der 59-Jährige hat ein Auge für Ästhetik – und er hat ein offenes Ohr für seine Mitmenschen. Stephan Brunner ist Gefängnisseelsorger im Bistum und in dieser Funktion eine von 14 Personen, die bei der Kampagne «Ich bin dabei» des Katholischen Konfessionsteils des Kantons St.Gallen und des Bistums St.Gallen mitwirken. Diese zeigt das wichtige Engagement der Kirche für das Gemeinwohl auf.

«Privileg, für Kirche im Vollzug tätig zu sein»

Stephan Brunner arbeitet seit Anfang 1998 im Bistum St.Gallen – zuerst als Pastoralassistent, ab 2010 als Diakon. Seit Anfang 2014 amtet er als Gefängnisseelsorger. Im Massnahmenzentrum Bitzi in Mosnang steht er den Insassen wie auch dem Personal zur Seite und bietet seelsorgerische Begleitung an. «Als ich vor 13 Jahren gefragt wurde, ob ich ergänzend zur Pfarreiarbeit noch ein kleines Pensum im Gefängnis übernehmen möchte, habe ich spontan zugesagt, weil es mich einfach interessiert hat. Es ist eine gute Ergänzung zur normalen Pfarreipastoral und hilft, den Blick offenzuhalten für Menschen in schwierigen Lebensumständen», sagt Stephan Brunner über sein Engagement. Auf dem Kampagnenplakat lässt er sich mit dem markanten Spruch ablichten: «Das Leben im Gefängnis erträglicher machen? Ich bin dabei.» Für Stephan Brunner ist es besonders wichtig, dass sich gerade die Kirchen im Bereich der Gefängnisseelsorge engagieren. Er bezeichnet es als Privileg, für die Kirche im Vollzug tätig sein zu dürfen. «Wir sind nicht Teil der Behörden und können uns ganz auf den jeweiligen Menschen einstellen.»

Sich mit der Zukunft auseinandersetzen

Als Gefängnisseelsorger ist Stephan Brunner mit den unterschiedlichsten Schicksalen konfrontiert. Gerade hinter Gefängnismauern ist es nicht immer einfach, die Hoffnung aufrechtzuerhalten. Stephan Brunner möchte mit seiner Arbeit Perspektiven schaffen und Blickwinkel verändern. «Die Arbeit als Gefängnisseelsorger ist eine Möglichkeit, für Menschen am Rand unserer Gesellschaft seelsorgerisch da zu sein. Es freut mich, wenn ich höre oder wahrnehme, dass meine Präsenz im Vollzug dem einen oder anderen hilft, sich konstruktiv mit seinem Leben und seiner Zukunft auseinanderzusetzen.»

Freizeit ohne Krimi

Stephan Brunner steht den Insassen und Mitarbeitenden bei alltäglichen Sorgen zur Seite, begleitet sie spirituell oder feiert mit ihnen Feste und Rituale. In all den Jahren hat er vieles gesehen und viele Schicksale kennengelernt. Nicht immer fällt ihm die Arbeit leicht. «Nach so vielen Jahren ist es manchmal eine Herausforderung, mich immer wieder neu auf einen Menschen und seine Lebensgeschichte einzustellen und nicht zu vergleichen.» Wenn ihm die Arbeit irgendwann zu viel wird, dann geht Stephan Brunner gerne in die Natur – oder er liest. Seine Arbeit als Gefängnisseelsorger hat allerdings auch hier Einfluss: «Seit ich im Gefängnis arbeite, lese ich nicht mehr so viele Krimis.»


Zusatzinformationen

Kampagne «Ich bin dabei»: Mitarbeitende und ihr wertvolles Engagement im Fokus
Mit der Kampagne «Ich bin dabei» will die Katholische Kirche im Bistum St.Gallen zeigen, wofür sie steht: für Engagement, Verantwortung und Offenheit. Mitarbeitende und freiwillig Engagierte leisten wertvolle Beiträge und bilden den Kit unserer Gesellschaft. Die Kampagne macht stellvertretend für alle einige dieser Menschen sichtbar: Vom Gefängnisseelsorger Stephan Brunner über Beziehungsberaterin Patricia Matt bis hin zum freiwilligen Caritas-Mitarbeiter Manfred Eugster oder auch dem St.Galler Bischof Beat Grögli – sie alle begegnen uns im Rahmen der Kampagne mit kernigen Fragen auf Plakaten und in Videoclips. Ihre Antwort ist stets die gleiche: «Ich bin dabei». Zusätzlich zu den Plakaten und Videoclips gibt es auch eine Kampagnenwebsite mit Informationen zu den entsprechenden Themenfeldern.

Gefängnisseelsorge im Bistum St.Gallen
Für die Katholische Kirche im Bistum St.Gallen arbeiten fünf Gefängnisseelsorger und eine Gefängnisseelsorgerin. Die Gefängnisseelsorge ist durch Vereinbarungen mit den zuständigen Stellen der beteiligten Kantone Appenzell Ausserrhoden, Appenzell Innerrhoden und St.Gallen sowie der evangelisch-reformierten Kirche geregelt. Sie vollzieht sich in ökumenischer Zusammenarbeit und bietet ihre Dienste allen Menschen an, unabhängig von Herkunft und Religion. Die Gefängnisseelsorge richtet sich an alle Menschen in den Gefängnissen und Vollzugsanstalten im Bistum St.Gallen, die geistliche, emotionale oder soziale Unterstützung wünschen. Die Seelsorgenden begleiten die Inhaftierten spirituell, feiern religiöse Feste und stehen ihnen bei privaten und alltäglichen Sorgen zur Seite.

Weitere News.