«Ich bin dabei» – Seelsorgerin Verena Süess setzt sich für Gleichstellung ein

Donnerstag, 17. September 2026

Die Imagekampagne «Ich bin dabei» von Bistum und Katholischem Konfessionsteil St.Gallen stellt Menschen wie Verena Süess ins Zentrum. Sie engagiert sich als Seelsorgerin und steht für die Gleichstellung der Geschlechter ein. St.Gallen erlebt sie diesbezüglich als fortschrittlich. Theologin wurde Verena Süess aus Neugierde. Seit neun Jahren wirkt sie im Appenzellerland und hat viele Aufgaben inne.

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Verena Süess arbeitet gerne und bewusst für das Bistum St.Gallen und bezeichnet dieses als «sehr fortschrittlich». Bild: zVg.

«Wir müssen ein Vorbild für die Gesellschaft sein, mutig bleiben und uns nicht einschüchtern lassen. Wir dürfen uns nicht zurückentwickeln», antwortet Verena Süess auf die Frage, was sie sich für die Zukunft der Kirche wünscht. Süess ist in Liechtenstein aufgewachsen und hat miterlebt, wie das Land ein Erzbistum wurde und konservative Kräfte das kirchliche Leben beeinflussten. Dank des reformierten Vaters sowie freikirchlichen und andersreligiösen Bekannten sei ihr Horizont weit geblieben.

Heute ist Verena Süess ausgebildete Theologin und Teil der Imagekampagne «Ich bin dabei» der Katholischen Kirche im Bistum St.Gallen. Hier steht sie ein für die Gleichberechtigung der Frauen und aller Gläubigen. «Ich bin sehr offen aufgewachsen. Aber es war immer ein Spagat zwischen der traditionellen Lehre und dem Offensein für alles.»

Vielfältige Arbeit, die Flexibilität erfordert

Verena Süess hat von 2004 bis 2009 das Theologiestudium in Chur absolviert. «Ich bin aus Neugierde Theologin geworden. Und weil ich die Gesellschaft aktiv mitgestalten wollte.» Seit 2009 arbeitet sie als Seelsorgerin im Bistum St.Gallen, seit 2017 ist die 42-Jährige in der Pauluspfarrei Speicher Trogen Wald und in der Seelsorgeeinheit Gäbris tätig. Dort übernimmt sie diverse Aufgaben: Die zweifache Mutter engagiert sich in der Kommunionvorbereitung, organisiert den Religionsunterricht, kümmert sich um ökumenische Projekte wie die Kirche Kunterbunt, koordiniert das 13-köpfige Pfarreiteam. «Die Arbeit ist sehr vielfältig und macht mir grossen Spass. Ich muss aber auch flexibel sein.»

Verena Süess schätzt, dass in der Katholischen Kirche Menschen mit den unterschiedlichsten Hintergründen und Fähigkeiten mitarbeiten. «Das bereichert die Kirche und uns alle. Jede und jeder kann etwas beitragen.»

Etwas zur Gesellschaft beizutragen ist Verena Süess auch in der Freizeit wichtig. Sie engagiert sich beispielsweise im Verein Klimaschutz Schweiz und steht mit verschiedenen Klimabewegungen in Kontakt. Als Ausgleich zur teils kopflastigen Arbeit liest sie oft. «Ich bin Stammgast in der Bibliothek. Am liebsten lese ich Romane.» Und seit letztem Sommer spielt sie mit ihrem Sohn leidenschaftlich gerne Minecraft, ein Computerspiel in dem Spieler Konstruktionen wie Gebäude oder Schaltkreise aus zumeist würfelförmigen Elementen erstellen, Ressourcen sammeln, gegen Monster kämpfen und gefundene Rohstoffe zu neuen Gegenständen weiterverarbeiten. «Es macht mir grossen Spass und ich geniesse es, Zeit mit meinem Sohn zu verbringen.»

Kirche gemeinsam weiterentwickeln

Verena Süess arbeitet gerne und bewusst für das Bistum St.Gallen und bezeichnet dieses als «sehr fortschrittlich». Dass sie keine Pfarrerin werden kann, bedauert sie. Dies ändert aber nichts daran, dass sie sich gehört und verstanden fühlt – auch in ihrer Rolle als Frau: «Im Bistum St.Gallen ist es möglich, dass wir gemeinsam Kirche entwickeln und zusammen weiterbringen können. Das schätze ich sehr.» Verena Süess weiss, dass dies keine einfache Aufgabe ist. «Die Mitglieder der Kirche werden weniger – ebenso die Zahl der Freiwilligen und Mitarbeitenden. Wir müssen uns überlegen, was die Menschen brauchen und wie Menschen, die sich engagieren möchten, sich wirklich einbringen können.» Verena Süess spricht die Tatsache an, dass heute viele Frauen arbeitstätig sind und weniger Zeit für Freiwilligenarbeit haben als noch vor einem Jahrhundert. Oder den Umstand, dass viele Arbeitnehmende heute pendeln und entsprechend weniger Freizeit haben. «Wir müssen neue Formen und Wege finden, dass sich alle engagieren können.»

Vor zweieinhalb Jahren hat Verena Süess gemeinsam mit drei weiteren Engagierten Kirchenmitarbeitenden das Netzwerk u50 gegründet, das mit regelmässigen Treffen den Austausch zwischen den pastoralen Mitarbeitenden unter 50 Jahren fördern soll. «Es ist wichtig, dass alle gehört werden, Jung und Alt, Mann und Frau, gebrechlich oder fit. Wir alle sind Kirche.»


Kampagne «Ich bin dabei»: Mitarbeitende und ihr wertvolles Engagement im Fokus
Mit der Kampagne «Ich bin dabei» will die Katholische Kirche im Bistum St.Gallen zeigen, wofür sie steht: für Engagement, Verantwortung und Offenheit. Mitarbeitende und freiwillig Engagierte leisten wertvolle Beiträge und bilden den Kit unserer Gesellschaft. Die Kampagne macht stellvertretend für alle einige dieser Menschen sichtbar: Von der Seelsorgerin Verena Süess, über die Spitalseelsorgerin Vera Rösch bis hin zum freiwilligen Caritas-Mitarbeiter Manfred Eugster oder auch dem St.Galler Bischof Beat Grögli – sie alle begegnen uns im Rahmen der Kampagne mit kernigen Fragen auf Plakaten und in Videoclips. Ihre Antwort ist stets die gleiche: «Ich bin dabei». Zusätzlich zu den Plakaten und Videoclips gibt es auch eine Kampagnenwebsite mit Informationen zu den entsprechenden Themenfeldern.

Gleichstellung im Bistum St.Gallen
Für die Katholische Kirche im Bistum St.Gallen heisst gemeinsam auch wirklich gemeinsam. Deshalb fördert sie aktiv die Gleichstellung aller und schafft, wo möglich Voraussetzungen, dass alle Menschen die gleichen Chancen haben. Mit der Kommission für Gleichstellung und Gleichberechtigung und einem Mentoring-Programm soll zudem die Rolle der Frau in der Katholischen Kirche im Bistum St.Gallen gestärkt werden. Denn für die Katholische Kirche im Bistum St.Gallen ist klar: Frauen müssen den Männern gleichgestellt sein – in allen Lebenslagen.

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