Älteste Replik der Gallusglocke wechselt den Besitzer und hängt neu im Stiftsarchiv
Montag, 14. September 2026Seit Montag hängt die älteste bekannte Replik der Gallusglocke im Eingang des Stiftsarchivs. Die in St.Gallen ansässige Debrunner Koenig AG hat die Glocke dem Katholischen Konfessionsteil St.Gallen geschenkt. Beide Parteien drückten bei der Vertragsunterzeichnung ihre Freude aus. Administrationsratspräsident Armin Bossart sprach von einem wunderbaren Geschenk, das Geschichte, Handwerk und Tradition verbinde – Mitja Schulz, CEO der Debrunner Koenig AG, freute sich, dass die Glocke am neuen Ort zugänglich bleibt und für die Nachwelt erhalten wird.
Neben der Replik der Gallusglocke im Stiftsarchiv: v.l. Thomas Franck, Verwaltungsdirektor Kath. Konfessionsteil; Armin Lutz, Leiter Unternehmenskommunikation Debrunner Koenig AG; CEO Mitja Schulz; Administrationsratspräsident Armin Bossart und Peter Erhart, Stiftsarchivar.
Es ist gerade einmal drei Jahre her, als zwei Nachbildungen der Gallusglocke für Schlagzeilen sorgten. Was damals kaum jemand wusste: Es gibt eine Replik, die deutlich älter ist. 1982 fertigte die Hammerschmiede Mühlehorn (GL) unter Anleitung des Basler Historikes Dr.h.c. Alfred Mutz eine detaillierte Kopie der Gallusglocke an. Finanziert wurde das Projekt vom 1755 in St.Gallen gegründeten St.Galler Traditions-Unternehmen Debrunner, der heutigen Debrunner Koenig AG.
Fast vierzig Jahre lang hing die Replik im Eingangsbereich des repräsentativen Firmen-Hauptsitzes im «Haus zum Goldapfel» an der Hinterlauben 8 in St.Gallen. Mit dem Umzug des Hauptsitzes an den Raiffeisenplatz stellte sich die Frage nach ihrer Zukunft. Folglich hat man sich 2025 entschieden, die Replik dem Katholischen Konfessionsteil des Kantons St.Gallen zu schenken. Im Stiftsarchiv St.Gallen soll sie einem breiten Publikum zugänglich gemacht werden.
Feierstunde mit Vertragsunterzeichnung
Dem Wunsch der Debrunner Koenig AG wird ab sofort entsprochen: Die Replik hängt im Foyer des Ausstellungssaals des Stiftsarchivs. Am Montagvormittag, 14. September, trafen sich der CEO Mitja Schulz und Armin Lutz, Leiter Unternehmenskommunikation, mit den Kirchenverantwortlichen Armin Bossart, Administrationsratspräsident, sowie Verwaltungsdirektor Thomas Franck, um den Schenkungsvertrag zu unterzeichnen. Auch Stiftsarchivar Peter Erhart und Elke Larcher, Leiterin des Museumsbetriebs im Stiftsbezirk, wohnten der Feierstunde bei.
«Diese Schenkung freut und ehrt und sehr», sagte Armin Bossart noch vor der Vertragsunterzeichnung gegenüber den Anwesenden. Er sprach von einem Geschenk mit grosser Symbolkraft – nicht nur, weil die Glocke für Kultur, Tradition und den Glauben vor Ort stehe, sondern weil diese auch dazu da sei, mit ihrem Geläut Menschen zusammenzurufen und zu verbinden. «Und auch wenn sich Kirche und Wirtschaft in verschiedenen Lebenswelten bewegen, so würden doch beide versuchen, Menschen zu verbinden und ihnen ein Fundament zu geben; die Kirche im Glauben, die Debrunner Koenig AG in wirtschaftlichen Belangen.»
Eine Plakette wird noch folgen
Für die Debrunner Koenig AG war es wichtig, die Glocken-Replik in Hände zu geben, welche diese auch für die Nachwelt sichtbar machen und erhalten. «Deshalb freuen wir uns gleichermassen darüber, dass wir einen so tollen Platz gefunden haben und nun im Stiftsarchiv auch ein stückweit unsere Geschichte repräsentiert sehen», sagte Mitja Schulz. Die Anwesenden waren sich einig, dass noch eine Plakette hergestellt und bei der Glocke montiert werden soll, welche die Geschichte des Objekts in aller Kürze zusammenfasst. Die Debrunner Koenig AG wird diese ebenfalls sponsern.
Im Gegensatz zum Original in der Kathedrale, das zum Schutz möglichst wenig angefasst wird, soll die Replik im Stiftsarchiv auch angeschlagen werden können – beispielsweise im Rahmen von Führungen. Damit kann die fast 45 Jahre alte Nachbildung nicht nur betrachtet, sondern auch gehört werden.
Text und Bilder: Roger Fuchs