Formen weiblicher Spiritualität im Umfeld des einstigen Klosters St.Gallen
Dienstag, 24. Februar 2026Am 27. Februar 2026 eröffnet das Stiftsarchiv St.Gallen seine neue Jahresausstellung. Passend zum Wiborada-Jubiläum 2026 stehen Wiborada und ihre «vergessene» Gefährtin Rachilt im Zentrum. Überdies zeigt die Ausstellung, wie aus individuellen Formen weiblicher Frömmigkeit gemeinschaftliche Lebensweisen und bedeutende Frauenklöster entstanden. Das Stiftsarchiv befindet sich im gemeinsamen Eigentum von Kanton und Katholischem Konfessionsteils St.Gallen.
In der Jahresausstellung des Stiftsarchivs ist eine Rekonstruktion der Zelle der hl. Wiborada bei der Kirche Sankt Mangen um 920 zu sehen. Bild: Max Beuter
Frauen prägten das religiöse Leben im Bodenseeraum bereits seit dem frühen Mittelalter in vielfältiger Weise. Und so steht die neue Jahresausstellung im Stiftsarchiv St.Gallen unter dem Titel «Vviberat & Rachilt – Erste Spuren». Bei «Vviberat» handelt es sich gemäss Elke Larcher, Leiterin des Museumsbetriebs im Stiftsbezirk, um die althochdeutsche Bezeichnung von Wiborada. Frauen wie sie wurden damals als geistliche Autoritäten anerkannt und verehrt.
Die neue Jahresausstellung im Stiftsarchiv widmet sich den unterschiedlichen Formen weiblicher Spiritualität im Umfeld des ehemaligen Klosters St.Gallen – von individuell gelebter Askese bis hin zu gemeinschaftlichen Lebensformen, aus denen teils bedeutende Frauenklöster hervorgingen.
Im Zentrum steht die St.Galler Stadtheilige Wiborada, die als erste Frau überhaupt von der Römischen Kirche heiliggesprochen wurde. Anlässlich des Wiborada-Jubiläums 2026 vermittelt die Ausstellung des Stiftsarchivs neue Forschungsergebnisse, die auf bislang unbeachteten schriftlichen Quellen beruhen und neue Perspektiven auf Leben, Wirken und Umfeld der Inklusin eröffnen. Ergänzt wird dieser Fokus durch die enge Gefährtin Rachilt sowie durch weitere geistliche Frauen, deren Netzwerke, Mobilität und Einfluss bislang kaum sichtbar waren.
Ausgehend von frühesten urkundlichen Zeugnissen des 8. Jahrhunderts spannt die Ausstellung den Bogen bis über die Aufhebung der Fürstabtei St.Gallen im 19. Jahrhundert hinaus. Sie zeigt, wie das Steinachkloster über Jahrhunderte hinweg weibliche Spiritualität inspirierte – und reglementierte. Damit leistet die Ausstellung gemäss den Verantwortlichen des Stiftsarchivs einen wichtigen Beitrag zur Neubewertung der Rolle von Frauen in der religiösen Kultur des Mittelalters und der Frühen Neuzeit im Raum St.Gallen.
Passend zur Ausstellung wird es einen bebilderten Katalog geben. Das Stiftsarchiv hat täglich geöffnet von 10 bis 17 Uhr, ausser an den sogenannten Schliesstagen: 20. April, 9 bis 23. November und 24./25. Dezember.
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rf