Die «Wunderkammer» der Stiftsbibliothek im Fokus der neuen Ausstellung

Montag, 24. November 2025

Kunst- und Wunderkammern gelten als Vorläufer der modernen Museen – auch in St.Gallen gab es eine solche Wunderkammer, die auf die Klosterzeit zurückgeht und in der allerhand Schönes und Sonderbares aufbewahrt wurde. Die Stiftsbibliothek St.Gallen zeichnet in ihrer Winterausstellung die Geschichte dieser Wunderkammer nach. Der am besten erhaltene Teil der einstigen Wunderkammer der Stiftsbibliothek ist die bislang wenig beachtete Münz- und Medaillensammlung.

Wunderkammer Objekte

Objekte aus der Wunderkammer der Stiftsbibliothek St.Gallen. Bild: Stiftsbibliothek St.Gallen

«Wunderkammer Stiftsbibliothek – Schönes und Kurioses gestern und heute» lautet der Titel der am 25. November startenden Winterausstellung in der Stiftsbibliothek St.Gallen. Neben der Präsentation der Reste aus der einstigen Wunderkammer zeigt die Ausstellung, wie die Museen heute mit ihren speziellen Beständen umgehen. Beispielsweise spielt heute die Frage, woher ein Objekt kommt und ob der aktuelle Aufbewahrungsort in Ordnung ist, eine wichtige Rolle.

Aufschwung der Neugier

Wunderkammern entstanden seit dem 16. Jahrhundert an Fürstenhöfen oder in Städten, als infolge der Entdeckungen zahlreiche fremdartige Dinge aus neuen Welten nach Europa gelangten. Die Wunderkammern sind ein aufschlussreicher Ausdruck eines veränderten Verhältnisses zur Welt und eines grossen Aufschwungs der Neugier. Oft waren sie mit einer Bibliothek verbunden, mit der sie die Passion für das Sammeln teilten.

Die Grösse der Welt wurde sozusagen im Kleinen der Wunderkammern abgebildet – und die Vielfalt war nach Disziplinen geordnet; etwa in Naturalia (Natürliches), Artificialia (Künstliches), Exotica (Exotisches), Scientifica (Wissenschaftliches), Mirabilia (Wunderbares). In der aktuellen Ausstellung der Stiftsbibliothek werden im Rahmen einer Installation in den Büchergestellen Beispiele für die genannten Kategorien vor Augen geführt.

Die Münzsammlung als barocke Zeitkapsel

Der besterhaltene Teil der einstigen Wunderkammer der Stiftsbibliothek ist die bisher wenig beachtete Münz- und Medaillensammlung. Sie befindet sich in einem im 18. Jahrhundert eigens dafür angefertigten Schrank in der Handschriftenkammer, der mit «Numophylacium» angeschrieben ist. Weil der Bestand mit etwa 3000 Münzen wie eine Zeitkapsel fast unverändert mit dem originalen Mobiliar und gelehrten Katalogen aus dem 18. Jahrhundert erhalten ist, ist er heute von grosser wissenschaftsgeschichtlicher Relevanz. Sein Inhalt und seine Geschichte sollen in den nächsten Jahren aufgearbeitet werden.

Reich bebilderter Ausstellungskatalog

Begleitend erscheint ein reich bebilderter Katalog, der die Struktur der Ausstellung aufnimmt. Im ersten, von vorne zu lesenden Teil, steht der heutige museale Zugang im Fokus, und im zweiten, von hinten zu lesenden, der barocke Bestand der Wunderkammer.

Die Ausstellungseröffnung mit einer Einführung von Ulrike Ganz findet am Dienstag, 25. November 2025, 18.15 Uhr, im Pfalzkeller und in der Stiftsbibliothek statt. Das reichhaltige Veranstaltungsprogramm der Stiftsbibliothek umfasst Konzerte, Vorträge, Führungen, Handschriftenpräsentationen sowie Kinder- und Familienangebote.

Hier der Link zur Winterausstellung.


Die Winterausstellung dauert vom 25. November 2025 bis 19. April 2026.

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