Der Ruf der Zelle lockt – Kollegienrat Paul Gähwiler als Eintages-Inkluse

Mittwoch, 4. Februar 2026

Noch vor einer Woche genoss Kollegienrat Paul Gähwiler-Wick die winterlichen Weiten Lapplands. Nun sitzt er – ganz freiwillig – allein in der Wiborada-Zelle in St.Gallen. Er beteiligt sich im Wiborada-Jubiläumsjahr am Projekt «Da sein», bei dem die Zelle täglich von einer anderen Person bewohnt wird. Auch zwei Mitglieder des Administrationsrats werden dies im Verlauf des Jahres noch tun. Paul Gähwiler-Wick schätzt den Tag als wertvolle Gelegenheit, sich Zeit für persönliche Reflexion nehmen zu können.

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Paul Gähwiler-Wick als Inkluse. Er freut sich, wenn ihn tagsüber noch einige am Zellenfenster besuchen. Bild: Roger Fuchs

St.Gallen begeht in diesem Jahr den 1100. Todestag der Inklusin Wiborada von St.Gallen. Mehrere Aktivitäten prägen das Jahr – unter anderem soll die nachgebaute Wiborada-Zelle bei der Kirche St.Mangen in St.Gallen keinen Tag leer sein. Auch Personen aus den Reihen des Katholischen Konfessionsteils haben sich gemeldet und ziehen im Rahmen des Projekts «Da sein» für jeweils einen Tag in die Zelle ein.

Paul Gähwiler-Wick, Mitglied des Katholischen Kollegiums St.Gallen, ist einer von ihnen. Auf dem Tisch in der Zelle flackert eine Kerze, der Inkluse auf Zeit hat es sich am 4. Februar auf einem der zwei Stühle bequem gemacht und liest die Schweizerische Kirchenzeitung SKZ. Für den Fall, dass ihn jemand erreichen möchte, liegt sein Mobiltelefon griffbereit auf dem Tisch. Als Zwischenverpflegung hat Paul Gähwiler-Wick zwei Äpfel mitgebracht.

Einen Tag lang innehalten

«Ich fühle mich mit der heiligen Wiborada und ihrer Lebensgeschichte sehr verbunden» begründet der Kollegienrat seine Teilnahme am Projekt. Gleichzeitig hält er fest, dass ihm eine Verbesserung der Stellung der Frauen in der katholischen Kirche wichtig sei. «Dafür setze ich mich schon länger in meinen verschiedenen, kirchlichen Aufgaben ein. Ich finde es wichtig, dass dies auch Männer tun.»

Paul Gähwiler-Wick schätzt es, einen Tag lang in der Wiborada-Zelle innezuhalten und zu reflektieren. Es sei fast wie bei einem Gottesdienst, einfach zeitlich ausgedehnter. Um nicht frieren zu müssen, hat er sich bewusst warm angezogen. Umso positiver hat ihn die wohlige Wärme in der Zelle überrascht, zumal er erst kürzlich noch bei klirrender Kälte in Lappland unterwegs war. Auch die Einrichtung hat er sich spartanischer vorgestellt. «Da ich zuvor keinen Augenschein genommen habe, habe ich mich auf einen einfachen Holzverschlag eingestellt», sagt er schmunzelnd.

Bereits in der ersten Stunde seiner Anwesenheit in der Zelle hörte er durch das kleine mit der Kirche verbundene Fenster Orgelmusik. Er entschied sich, den Schieber zu öffnen und die Stille der Zelle mit der Musik füllen zu lassen.

Administrationsrätinnen lassen sich ebenfalls einschliessen

Im Verlauf des Jahres werden viele weitere Personen sich einschliessen lassen. Unter anderem folgen auch die Administrationsrätinnen Cornelia Brändli-Bommer (11. August), Barbara Hächler (18. September), Stiftsbibliothekar Cornel Dora (29. Juni) sowie der Präsident der kollegienrätlichen Geschäftsprüfungskommission, Jürg Gemeinder (17. August), dem Ruf der Zelle, wie der Projekt-Website entnommen werden kann.

Sie alle zeigen sich beeindruckt vom Weg der heiligen Wiborada und verbinden mit dem Tag in der Zelle auch persönliche Ziele. So lässt sich Barbara Hächler auf der Website wie folgt zitieren: «Es ist für mich ein bewusstes Innehalten. In der Stille möchte ich Abstand vom Alltag als Administrationsrätin und Schulpräsidentin der flade gewinnen und mich auf das Wesentliche konzentrieren.» Cornelia Brändli-Bommer will bewusst einen Tag für andere, auch ihr unbekannte Menschen da sein und wartet gespannt auf die Impulse, die ihr der Tag gibt.

Jürg Gemeinder wiederum wird in der Zelle sein Sabbatical starten und sich hier auf die Auszeit einstimmen. Und Cornel Dora erachtet es schlicht und einfach für selbstverständlich, einen persönlichen Beitrag zum Jubiläum zu leisten und einen Tag lang der herausfordernden Lebensweise nachzuspüren.

Hinweis: Website Wiborada-Jubiläum

Text und Bilder: Roger Fuchs

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