Wiborada-Statue begrüsst fortan die Gäste der Stiftsbibliothek

Dienstag, 7. April 2026

Seit Dienstag, 7. April, steht bei der Ticketkontrolle am Eingang der Stiftsbibliothek eine Wiborada-Statue auf einem Holzsockel. Die aus Lindenholz gefertigte Figur ist mit Hellebarde und Bücher ausgestattet, den typischen Attributen der Heiligen. «Ohne Wiborada wäre die Stiftsbibliothek nicht so reichhaltig wie sie sich heute präsentiert», sagt Stiftsbibliothekar Cornel Dora. Dank ihrer Vorhersage habe der Abt von St.Gallen vor dem Einfall der Ungarn im Jahr 926 wertvolle Handschriften und Klosterschätze in Sicherheit bringen lassen können.

Seelsorgerin Hildegard Aepli segnet die Wiborada-Figur beim Eingang zur Stiftsbibliothek ein. Foto: Roger Fuchs

Am 2. Mai 2026 jährt sich der Todestag der Inklusin Wiborada von St.Gallen zum 1100. Mal. Die Heilige, die als Schutzpatronin der Bücher und Bibliotheken gilt, ist nun auch an jenem Ort präsent, der ihr einen grossen Teil seines historischen Bestandes verdankt: der Stiftsbibliothek St.Gallen. Ohne die rechtzeitige Prophezeiung des Ungarneinfalls von 926 wären wohl viele der Dokumente zerstört worden. Wiborada selbst starb als Märtyrerin.

Wie Stiftsbibliothekar Cornel Dora erklärt, wurde lange geprüft, wie man Wiborada in der Stiftsbibliothek sichtbarer machen könnte. Verschiedene Optionen wurden geprüft, von einer modernen Statue bis hin zu einer künstlerischen Spezialanfertigung. Entschieden hat man sich nun für eine Figur aus Lindenholz. Es handelt sich hierbei um eine Leihgabe der Kirchgemeinde St.Gallen an die Stiftsbibliothek. Die Figur könnte ursprünglich bereits als Wiborada gedacht gewesen sein, worauf ihr Gewand hindeutet.

In Kooperation mit der St.Galler Künstlerin Elena Kaeser und Kunstrestaurator Hanspeter Strang aus Wil wurden die typischen Wiborada-Attribute – Hellebarde und Bücher – nachträglich gefertigt und die Statue damit ergänzt. Hanspeter Strang und Silvio Frigg, Leiter Zentrale Dienste, montierten die Wiborada am Dienstagmorgen direkt bei der Ticketkontrolle. «Die Stiftsbibliothek noch stärker in die Tradition von Wiborada zu stellen, finde ich richtig», so Frigg.

Kurz nach der Montage konnte die Figur von der Seelsorgerin Hildegard Aepli, die sich Wiborada stark verbunden fühlt, eingesegnet werden. «Dass dieser Moment ausgerechnet im Jubiläumsjahr von Wiborada wahr wird, freut mich enorm», so Aepli. Es gehe hier nicht in erster Linie darum, dass eine Heiligenstatue stehe, sondern vielmehr um die Sichtbarmachung einer wichtigen Frau für St.Gallen und das ganze UNESCO-Weltkulturerbe. «Der heiligen Wiborada verdanken wir die allerältesten Handschriften. Ihre Bedeutung für unseren Standort ist gross.»

Bleibt noch ein kleines Detail zu klären: Warum steht Wiborada nicht auf Augenhöhe der Besucherinnen und Besucher, sondern leicht erhöht. «Sie ist viel wichtiger als wir alle», so Dora schmunzelnd.

Text und Bilder: Roger Fuchs

 

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