Stiftsbibliothek rückt Frauen aus dem Mittelalter und ihre Lebenswelten ins Zentrum

Montag, 20. April 2026

Im Stiftsbezirk St.Gallen war zwar einst ein Männerkloster – und doch lassen sich aus dem Bestand der Stiftsbibliothek auch viele Geschichten von Frauen und ihren Lebenswelten erzählen. Sie stehen im Fokus der am 21. April 2026 startenden Sommerausstellung. Auslöser für diese Ausstellung ist der 1100. Todestag der heiligen Wiborada. Im Rahmen der Vorbereitungen zur Ausstellung hat die Stiftsbibliothek mit mehreren Klassen der Meitleflade zusammengearbeitet.

Einblick in den Barocksaal der Stiftsbibliothek.

Ausgehend von der Inklusin Wiborada fragten sich die Kuratorinnen Franziska Schnoor und Ruth Wiederkehr: Welche Lebenswege gab es für Frauen im Mittelalter? Sie stellten dafür verschiedene Lebensformen und -wege zusammen. Die Sommerausstellung der Stiftsbibliothek St.Gallen gliedert sich nach diesen Formen und ergänzt die Klausnerinnen um Nonnen, Mächtige, Dienerinnen, Produzentinnen, Mütter und Widerständige. «Wir decken damit nicht alle möglichen Lebenswelten ab», sagen sie, «doch wir ermöglichen verschiedene Perspektiven auf Lebensweisen der Vergangenheit.»

Konkreter Anlass für das Ausstellungsthema war der 1100. Todestag der heiligen Wiborada, die am 2. Mai 926 an den Verletzungen starb, die ihr plündernde ungarische Krieger zugefügt hatten. Wiborada hat wesentlich dazu beigetragen, dass der Bestand der Stiftsbibliothek damals rechtzeitig in Sicherheit gebracht und gerettet werden konnte – sie gilt deshalb als Patronin der Bibliotheken.

Im Rahmen der Vorbereitungen wurde mit mehreren Sekundarschulklassen der Meitleflade zusammengearbeitet. Einige Schülerinnen sind Teil der Eröffnungsfeier am 21. April, andere präsentieren im Mai im Gallusschulhaus St.Gallen eine eigene Ausstellung zu berühmten Frauen, und eine weitere Klasse ist Teil des Schweizer Vorlesetags am 27. Mai in der Stiftsbibliothek.

Begleitend zur Ausstellung erscheint ein Katalog. Neben den in der Ausstellung präsentierten Handschriften enthält er zusätzlich eine Einführung von Henrike Lähnemann, Professorin für Medieval German Literature and Linguistics an der Universität Oxford und Co-Autorin des beliebten Sachbuchs «Unerhörte Frauen.

Die Sommerausstellung dauert vom 21. April bis 8. November 2026 und kann täglich von 10 bis 17 Uhr, zwischen Juli und September sogar bis 18 Uhr, besucht werden.

Hier geht es zur ausführlichen Medienmitteilung der Stiftsbibliothek St.Gallen.

rf

Weitere News.