Letzte Runde: Zum Abschied stellt Thomas Reschke die grossen Fragen des Lebens

Dienstag, 27. Oktober 2026

Mit einer letzten öffentlichen Vorlesereihe verabschiedet sich der katholische Universitätsseelsorger Thomas Reschke nach 25 Jahren von der HSG. An vier Tagen spricht er zur Frage «Was zählt im Leben?» Eines vorweg: «Es ist nicht das Geld», sagt Thomas Reschke. Im persönlichen Gespräch spricht er offen darüber, dass auch in seinem Leben einiges zu kurz kam von dem, was wirklich zählt. Der Festsaal Katharinen in St.Gallen war zum Start der Vorlesereihe zum Bersten voll.

Der Festsaal Katharinen ist bis auf den letzten Platz besetzt. Bild: Roger Fuchs

Der Festsaal Katharinen ist bis auf den letzten Platz besetzt. Bild: Roger Fuchs

Den grossen Fragen des Lebens neuen Raum geben – genau das will Thomas Reschke mit seiner letzten öffentlichen Vorlesereihe als Universitätsseelsorger. Ende Jahr sagt er nach 25 Jahren adieu. Schon heute ist klar: «Es wird mir fehlen, mit wie viel Vertrauen und Liebenswürdigkeit sich Studierende an mich gewandt haben. Und es wird mir fehlen, jeden Tag frohe, aufgestellte Studierende zu sehen, die hoffnungsvoll das ganze Leben vor sich haben», sagt Reschke. Dennoch wolle er nicht dem «Sport des Alters» verfallen und jammern. Zu gross sei die Dankbarkeit, die über allem stehe, das er in den letzten Jahren erleben durfte.

Denkofferten im Gepäck

Mit dieser Dankbarkeit im Gepäck ist er am Dienstag, 27. Oktober, zu seiner letzten Vorlesereihe gestartet. Der Katharinensaal in St.Gallen platzte aus allen Nähten, weit über hundert Personen wollten beim Start der Vorlesungsreihe dabei sein. An insgesamt vier Vormittagen spricht Thomas Reschke zur Frage «Was zählt im Leben?». Jedesmal setzt er dazu einen anderen Schwerpunkt. Zum Auftakt ging es um die Kunst, das Wesentliche vom Lauten zu unterscheiden. «Wir halten oft das Dringende für das Wichtige, obwohl das Wichtige leise ist und höflich wartet», bringt es der Universitätsseelsorger auf den Punkt.

Der Fokus der weiteren Vorlesetage liegt auf Beziehungen, auf der Freiheit sowie auf der Hoffnung und der Kunst, dankbar loszulassen. «Ich habe für jeden der vier Vormittage ein paar Denkofferten im Gepäck», sagt Thomas Reschke. Doch wie lautet seine persönliche Kurzantwort, wenn ihn heute jemand fragen würde, was wirklich zählt im Leben? «Es zählt, was wir geliebt haben und von wem wir geliebt wurden. Alles andere ist Gras. Die Liebe jedoch hört niemals auf.»

Die Jahre an der Universität haben Thomas Reschke geprägt und stark dazu beigetragen, dass er heute so genau weiss, was im Leben zählt. «Viele Studierende suchten im Verlauf der Jahre das Gespräch mit sehr tiefgründigen Lebensfragen im Gepäck.» Wer über Jahre hinweg so viel Vertrauen geschenkt bekomme, lerne zwangsläufig einiges über das, was trage und was zähle. Deshalb seine Erkenntnis: «Es ist definitiv nicht das Geld, sondern die Liebe.»

Wenn Wichtiges zu kurz kommt

Trotz dieses Wissens gab es auch im Leben von Thomas Reschke Phasen, in denen manch Wichtiges zu kurz kam – vor allem dann, wenn er gewissermassen von Besinnung zu Besinnung hetzte und dabei Menschen nicht so gerecht werden konnte, wie er es sich gewünscht hätte. «Konkret denke ich an meinen 92-jährigen Vater und an meine sechsköpfige Familie», sagt der Universitätsseelsorger. «Zeitweise ging es meiner Frau wie einer Witwe, deren Mann noch lebt. Das will ich ändern. Künftig möchte ich mir mehr Zeit nehmen, um Freundschaften zu leben.»

Eine klare Ansage. Zusammen mit seiner Frau wird der Abtretende in eine kleinere Wohnung in der Nähe von St.Gallen ziehen. Auch eine Skandinavienreise ist geplant. Zunächst aber widmet er sich noch einmal ganz seiner Vorlesereihe. In all den Jahren bekam er auch viele Rückmeldungen, die er zu perfektionieren versucht. «Vor 25 Jahren redete ich so elaboriert wie ein deutscher Professor. Inzwischen habe ich das Oberlehrhafte zum Glück etwas verloren», meint er schmunzelnd.

Wer selbst seinen Rucksack mit den Denkofferten von Thomas Reschke füllen will, hat noch an drei weiteren Daten die Möglichkeit dazu: 5., 10., und 17. November, jeweils ab 9.30 Uhr im Festsaal St.Katharinen an der Katharinengasse 11 in St.Gallen.

Text und Bilder: Roger Fuchs

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