«Königliche Hoheit» und «Majestät» zu Besuch im Stiftsbezirk
Freitag, 5. September 2025Die Staatsoberhäupter der deutschsprachigen Länder Europas trafen sich am 4. und 5. September in der Schweiz zu ihrem mittlerweile 21. informellen Gipfel. Zum Programm gehörte auch ein Besuch der Kathedrale und der Stiftsbibliothek St.Gallen, wo sie sich im goldenen Gästebuch verewigten. Administrationsratspräsident Armin Bossart und Stiftsbibliothekar Cornel Dora begrüssten die Gäste namens des Konfessionsteils – beide hatten sich zuvor in die korrekten Anredeformen eingearbeitet.
Stiftsbibliothekar Cornel Dora spricht vor den Staatsgästen über die weltweit schönste Bibliothek. Foto: Roger Fuchs
Ein König zu Gast im Stiftsbezirk St.Gallen – das gibt es nicht alle Tage. Dieses Jahr führte jedoch das traditionelle Sechsertreffen der Länder Liechtenstein, Luxemburg, Deutschland, Österreich, Belgien und der Schweiz genau hierher. Doch wie begrüsst man deren Staatsoberhäupter? Genau dies konnten Stiftsbibliothekar Cornel Dora und Administrationsratspräsident Armin Bossart anhand eines entsprechenden Dokuments verinnerlichen. So werden der König von Belgien und seine Frau mit «Majestät» angesprochen, der Grossherzog von Luxemburg mit Gattin als «Königliche Hoheit», und der Erbprinz aus dem Fürstentum Liechtenstein als «Durchlaucht».
Das traditionelle Sechsertreffen findet abwechselnd in einem der sechs teilnehmenden Länder statt. Die Schweiz war letztmals 2018 Gastgeberin, damals mit Bundespräsident Alain Berset. Sieben Jahre später hat nun Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter eingeladen. Die angereisten Staatsoberhäupter waren der Grossherzog Henri von Luxemburg, Erbprinz Alois von und zu Liechtenstein, Philippe, König der Belgier, der österreichische Bundespräsident Alexander Van der Bellen und der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sowie deren Gattinnen.
Streifzug durch Kathedrale und Stiftsbibliothek
Das Kulturprogramm beim Sechsertreffen widmete sich unter anderem der St.Galler Textilindustrie sowie der Geschichte der Region. Administrationsratspräsident Armin Bossart und Stiftsbibliothekar Cornel Dora holten die Staatsgäste am zweiten Tag ihres Treffens nach dem Mittagessen ab und führten sie über den Klosterplatz zur Kathedrale. Bereits auf dem Weg dorthin gab es Informationen zu Geschichte des Orts. Stiftsbibliothekar Cornel Dora betonte dabei die frühzeitlichen Verbindungen St.Gallens zur Welt.
Beim Besuch der Galluskrypta lenkte Dora die Blicke einerseits auf den Rest des Schädels von Gallus, der im Reliquiar untergebracht ist, andererseits verwies er auf die drei letzten Fürstäbte, die hier seit einigen Jahrzehnten begraben sind. Vorbei an der Bischofswohnung – der neue St.Galler Bischof Beat Grögli weilte zur gleichen Zeit in Rom – ging es für die Staatsgäste schliesslich in die Stiftsbibliothek, die Cornel Dora mit Verweis auf die aktuelle Ausstellung als bedeutendster Ort für die frühe Musikgeschichte würdigte. Auch unterstrich er im Verlauf weiterer Ausführungen und mit Blick auf das europäische Denken und die Demokratie das Christentum als deren Grundlage. Der «Abrogans», der als ältestes deutsches Buch gilt, konnte kurze Zeit später im Lesesaal bestaunt werden.
Mit einem Eintrag im goldenen Buch – dem Gästebuch – ist der aussergewöhnliche und hohe Besuch der Staatsgäste auf alle Zeit verewigt worden.
Text und Bilder: Roger Fuchs