Dokumente der einstigen Klosterdruckerei digitalisiert und frei zugänglich

Mittwoch, 8. Juli 2026

Die Stiftsbibliothek ist zwar mehrheitlich als Handschriftenbibliothek bekannt, sie bewahrt aber auch Druckerzeugnisse der einstigen Klosterdruckerei auf. Diese wurden nun vollständig digitalisiert. Stiftsbibliothekar Cornel Dora spricht von einem wichtigen Schritt für die internationale Zugänglichkeit dieser Bestände. Realisiert wurde das Projekt in Kooperation mit der Kantonsbibliothek Vadiana St.Gallen, die ebenfalls über frühe Drucke aus dem Kantonsgebiet verfügt. Die Digitalisate sind ab sofort auf der Plattform «e-rara.ch» der ETH-Bibliothek verfügbar.

Digital Kombi

Zwei von mehreren hundert digitalisierten Druckerzeugnissen aus der einstigen Klosterdruckerei: Links das «Geistliche Labyrinth». rechts ein aufwändiger emblematischer Druck mit dem Titel «Innocentia vindicata». Bilder: zVg.

Stiftsbibliothekar Cornel Dora blickt auf die letzten beiden Jahrhunderte vor der Aufhebung des Klosters St.Gallen zurück: «Das Kloster hatte damals einen eigenen Verlag und eine Druckerei», sagt er. Dort seien mehrere hundert Druckerzeugnisse hergestellt worden. Häufig handelte es sich um fürstäbtliche Mandate, die auf diese Weise öffentlich bekanntgemacht wurden. Aber auch Heiligengeschichten oder theologische Disputationen gehörten dazu. Eines der ersten Druckerzeugnisse war das «Geistliche Labyrinth», sagt Cornel Dora. Der in der Mitte des Blatts beginnende Text schlängelt sich durch die Gänge eines Labyrinths. Dieses wiederum symbolisiert den Lebensweg der Menschen.

Cornel Dora verfasste schon vor knapp zehn Jahren in der Begleitschrift zu einer Ausstellung an der Stiftsbibliothek einen Beitrag über die einstige Klosterdruckerei. Demnach hat sich diese in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts fest etabliert, der Betrieb war leistungsfähig und erledigte auch anspruchsvolle Aufträge. Zu den schönsten Dokumenten aus dieser St.Gallischen Kulturinstitution zählt für Dora ein aufwändiger emblematischer Druck unter dem Titel «Innocentia vindicata» von Fürstabt Cölestin Sfonderati.

Alle diese Drucke sind jetzt digitalisiert und über die Plattform «e-rara.ch» von der ETH-Bibliothek in Zürich online auffindbar. Von den knapp 1200 St.Galler Drucken stammen rund 600 aus der ehemaligen Klosterbibliothek, die übrigen wurden von der Kantonsbibliothek Vadiana beigesteuert. Gemäss Cornel Dora ergänzen sich die beiden Bibliotheken bei den Druckerzeugnissen perfekt. Während sich die Drucke der Klosterdruckerei vor allem auf das Kloster konzentrieren, dokumentieren jene aus der Vadiana stärker die reformierten Themen und die ländlichen Gebiete.

«Wenn jemand nach den Druckerzeugnissen aus der Klosterzeit sucht, sind diese jetzt lückenlos und weltweit abrufbar», freut sich Cornel Dora. Sie seien ebenso Teil des UNESCO-Weltdokumenten-Erbes Stiftsbibliothek St.Gallen wie die hier überlieferten Handschriften.  Die Drucke in der Stiftsbibliothek wurden 2017 auch als Teil des schriftlichen Erbes des Klosters St.Gallen von der UNESCO in das internationale Register «Memory of the World» aufgenommen.

Finanziert wurde das Digitalisierungsprojekt durch Gelder aus dem Lotteriefonds.

Zur Onlineplattform: www.e-rara.ch

rf

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