Die «flade» kann auch Kampfsport – grosse Erfolge inklusive

Montag, 19. Oktober 2026

Angefangen hat es vor sechs Jahren in der Turnhalle – heute ist aus dem Kampfsportangebot der «flade» ein Verein mit national und international erfolgreichen Sportlern geworden. Hinter dem Erfolg steht «flade»-Lehrer Cédric Gubser, leidenschaftlicher Kampfsportler. Er freut sich nicht nur über die sportlichen Erfolge, sondern auch darüber, dass das Kampfsportangebot eine verbindende Funktion über die drei «flade»-Schulhäuser hat. Und er sagt überzeugt: «Wer sich verteidigen kann, kommt viel weniger in ernsthafte Situationen.»

«flade»-Lehrer Cédric Gubser trainiert mit einem der flade fighters. Bild: Roger Fuchs

Boxring, Boxsäcke, Boxhandschuhe, Hanteln und weitere Kraftgeräte stehen bereit. Dazu ein rot-schwarzes Quadrat aus Tatami-Matten. Seit der räumlichen Ausdehnung der «flade» an die Schochengasse im August 2024 gibt es hier neben Schulzimmern auch einen Kampfsportraum. Sechsmal in der Woche wird trainiert. Medaillen zeugen von den Erfolgen. Und ein rotes Logo, das in Anlehnung an das chinesische Kickboxen einen Drachen mit Kampfsportler zeigt, macht unmissverständlich klar: Hier sind die «flade fighters» zu Hause.

Sportangebot vergrössert

Im Jahr 2020 hat Cédric Gubser, Lehrer im Klosterschulhaus, erstmals ausserhalb des regulären Stundenplans Kickboxen für Schüler angeboten. Das Interesse war gross. An der Schochengasse konnte das Angebot räumlich aufgewertet werden. Darüber hinaus wurde das Angebot sportlich weiterentwickelt. Neben Kickboxen liegt der Fokus mittlerweile auch auf dem sogenannten Grappling, einer Form des Griffkampfs mit Elementen aus verschiedenen Kampfsportarten.

Das Training steht Schülerinnen und Schüler aller drei «flade»-Schulhäuser offen. Auch Ehemalige können zu einem kleinen Unkostenbeitrag mittrainieren. Um an Turnieren teilnehmen zu können, haben sich die «flade fighters» mittlerweile als Verein organisiert, und sie sind Mitglied in verschiedenen Dachverbänden. Die professionelle Einrichtung im Trainingsraum verdankt man gemäss Cédric Gubser zu einem grossen Teil der finanziellen Unterstützung des Ehemaligenvereins der Buebeflade.

Mehr Selbstbewusstsein

Trainiert wird jeden Tag ausser samstags. Dreimal ist «Open Gym». Dabei können die Jugendlichen selbstständig das Gelernte vertiefen. Cédric Gubser kontrolliert und hilft, wo nötig. Der 34-Jährige investiert einen Grossteil seiner Freizeit in dieses Angebot. Er brennt innerlich für den Kampfsport und ist überzeugt, dass Menschen, die sich verteidigen können, seltener in gefährliche Situationen geraten: «Man strahlt Selbstbewusstsein aus. Wer die kontrollierte Gewalt kennt, weiss, was in einem Ernstfall passieren kann, und will es deshalb vermeiden.»

Die Schüler selbst zeigen sich begeistert. «Ich komme hierher, um fit zu bleiben, Leute kennenzulernen und weil es einfach Spass macht», sagt der 14-jährige Alex Schmitt aus dem Klosterschulhaus. Seit Januar 2026 ist er im Nationalkader des Schweizerischen Kickboxing-Verbands (WAKO). Stolz erzählt er, dass er an einem Wettkampf bereits Dritter wurde.

Ebenfalls zum Nationalkader gehört der ehemalige «flade»-Schüler George Meier. Letztes Jahr wurde er Vize-Schweizermeister. «Dank dieses Angebots bleibt man auch nach der Schulzeit mit der flade verbunden», so Meier, der zugleich Vorbild für die Jüngeren sein möchte. Dasselbe gilt für Ex-flade-Schüler Dario Pasuljanovic, der bereits diverse Medaillen im Grappling gewonnen hat. Kürzlich holte er sogar einen Meistergürtel in der Expertenklasse. Persönlich sei er dank des «flade»-Angebots und Sports mental und körperlich gewachsen. Mit zwei Jugendlichen waren die «flade fighters» letztes Jahr überdies an der Grappling Weltmeisterschaft in Krakau vertreten.

Andere arbeiten noch an den Basics, beispielsweise der 14-jährige Vania Semylietko aus dem Notkerschulhaus. Fussball habe ihm einst nicht mehr so gefallen, weshalb er einen neuen Ausgleich zur Schule gesucht habe. «Hier bei den flade fighters gefällt es mir sehr gut», sagt der Schüler.

Eine grosse Gemeinschaft

Das Miteinander von erfahrenen und jüngeren Kämpfern stellt bei den «flade fighters» kein Problem dar – im Gegenteil. «Wer mit weniger Fortgeschrittenen trainiert, kann sich beispielsweise auf die eigene Technik konzentrieren», sagt Cédric Gubser. Auch stärke es das Verantwortungsbewusstsein. Die Älteren begleiten die Jüngeren zudem an Turniere und unterstützen sie, wenn diese Hilfe brauchen. Dies bestätigt Noah Gruber, der das Hobby selbst im zweiten Lehrjahr noch weiterpflegt. Zusammen mit Jüngeren könne er gezielt die Kraft herunterfahren und mehr auf Bewegungsabläufe fokussieren.

So zeigt sich: Bei allen Erfolgen, welche die «flade fighters» einfahren, genauso wichtig ist die über Jahre entstandene Gemeinschaft. «Auch über die Schulzeit hinaus werden Freundschaften und die Verbundenheit zur flade hier weitergepflegt», bilanziert Gubser. Ausserdem sieht er einen grossen Wert darin, dass das Angebot den Schülerinnen und Schülern von allen «flade»-Schulhäusern offensteht. Dies schaffe Verbindungen über Schulhausgrenzen hinweg.

Die «flade» ist somit auch das, was man auf den ersten Blick kaum erwarten würde: ein erfolgreicher Wettkampfverein, der wächst – und eine Gemeinschaft, die über den Schulalltag hinaus verbindet.

Mehr Informationen zu den «flade fighters» unter: www.fladefightersclass.ch

Text und Bilder: Roger Fuchs

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