Austritte stark zurückgegangen – dennoch wird die Kirche kleiner
Freitag, 26. September 2025Am Freitag, 26. September, hat das Schweizerische Pastoralsoziologische Institut (SPI) die Kirchenstatistik 2024 präsentiert. Der Leiter des SPI, Arnd Bünker, konnte zwar einen starken Rückgang der Austritte im letzten Jahr kommunizieren, in der Langfristbetrachtung müssen sich die Landeskirchen dennoch darauf einstellen, kleiner zu werden. Auch zwischen Todesfällen und Taufen resultiert ein negativer Saldo. Der Generalsekretär der RKZ, Urs Brosi, sprach vom Ziel einer geordneten Schrumpfung, in der die Stabilität behalten werden kann.
Der Trend ist unverkennbar: Die Kirchenaustritte beider Landeskirchen sind steigend. Der Exodus von 2023, ausgelöst durch die Pilotstudie zu sexuellem Missbrauch im Umfeld der katholischen Kirche in der Schweiz, hat sich im Jahr 2024 jedoch nicht wiederholt. Im Gegenteil: Die Austritte aus der katholischen Kirche sind vergangenes Jahr gesamtschweizerisch um 46 Prozent auf 36’782 zurückgegangen, 1189 Menschen sind der katholischen Kirche beigetreten.
Negativer Generationensaldo
Insgesamt zählte die katholische Kirche in der Schweiz letztes Jahr gemäss Arnd Bünker vom SPI noch 2,73 Millionen Mitglieder. Zum Vergleich: Im Jahr 2016 waren es 3,2 Millionen. Neben den Austritten wirkt sich auch ein höherer Anteil von Sterbefällen gegenüber Taufen auf die Anzahl der Mitglieder aus.
Hierzu hat Bünker noch ergänzende Kennzahlen präsentiert. Demnach wurden landesweit bei gut 78’000 Geburten nur knapp 21’000 Menschen in einer der beiden Kirchen getauft. Das ergibt eine Taufquote von 26,4 Prozent. Dies zeige einen starken Abbruch der familiären Weitergabe von Glauben und Kirchenbindung und markiere einen epochalen Wandel. Das Modell der Nachwuchskirche trägt gemäss Arnd Bünker nicht mehr. Ein ähnliches Bild manifestiert sich bei den Trauungen: 3’393 kirchlichen Eheschliessungen standen knapp 36’769 Zivileheschliessungen gegenüber.
Geordnet schrumpfen
Im Rahmen der Statistikpräsentation kamen auch Vertreter der pastoralen und staatskirchenrechtlichen Seite zu Wort. Urs Brosi, Generalsekretär der Römisch-Katholischen Zentralkonferenz der Schweiz (RKZ), sagte im Wissen um den starken Rückgang der Kirchenaustritte im 2024, dass dies wohl einerseits der Halbwertszeit von Skandalen zu verdanken sei, anderseits auch der seriösen Einordnung und Vertiefung des Themas, zu dem verschiedene Medien beigetragen hätten. Auch das Bemühen der Kirche, Massnahmen gegen den Missbrauch zu entwickeln und besser darüber zu kommunizieren, dürfte sich in diesem Rückgang niederschlagen. Mit Blick in die Zukunft liege die Herausforderung darin, die Kirche strukturell auf das Kleinerwerden vorzubereiten. «Ziel ist, dass sie geordnet schrumpft und dabei ihre Stabilität behalten kann, da wir auch in der Schweiz noch immer eine grosse Organisation mit mehreren Millionen Mitgliedern sind, die in unterschiedlicher Intensität Erwartungen an die Kirche haben», so Brosi.
Nicht verwalten, sondern gestalten
Gemäss dem St.Galler Bischof Beat Grögli, zuständig für pastorale Fragen bei der Schweizer Bischofskonferenz (SBK), bringt es nichts, vor den langfristigen Trends die Augen zu verschliessen. Vielmehr gelte es, sich verschiedene Fragen zu stellen, beispielsweise jene: «Wie wollen und wie können wir Kirche sein, wenn wir kleiner werden und weniger Geld haben?» Solche und weitere Fragen gelte es im synodalen Miteinander aufzuarbeiten. Als noch junger Bischof wolle er das «Weniger-werden» nicht nur verwalten, sondern diese Veränderungen aktiv gestalten.
Weitere Details und Zahlen zur heute präsentierten Kirchenstatistik 2024 finden sich auf der Website des SPI oder auf der separaten Kirchenstatistik-Website.
rf