600 Jahre Abt Ulrich Rösch – Feierlichkeiten in St.Gallen, Wil und Rorschach
Mittwoch, 24. Juni 2026Mit Festivitäten in St.Gallen, Wil und Rorschach wird am ersten Juli-Wochenende der 600. Geburtstag von Abt Ulrich Rösch gefeiert. Er kam am 4. Juli 1426 in Wangen im Allgäu zur Welt und hat sich – beinahe wie in einer Tellerwäscherkarriere – zum Fürstabt von St.Gallen hochgearbeitet. Ulrich Rösch war der erste nichtadelige Abt und gilt als «zweiter Gründer» des Klosters von St.Gallen, da er den damaligen Abwärtstrend stoppte. Den grössten Teil seines Wirkens verbrachte er in Wil. Auch in Rorschach erinnert ein markantes Bauwerk an seine Zeit.
Jakob Kuratli, stv. Stiftsarchivar, und Ruedi Schär, Ortsbürgerrat von Wil, im Kreuzgang der Kathedrale St.Gallen beim einstigen Grab des Fürstabts Ulrich Rösch. Bild: Roger Fuchs
Wenn Ruedi Schär, Ortsbürgerrat und Stadtführer in Wil, vom ehemaligen St.Galler Fürstabt Ulrich Rösch (1426 – 1491) erzählt, spricht er nicht nur von einem ehemaligen Bäckerssohn aus Wangen im Allgäu, er erzählt auch von einem Kirchenmann, der drei Kinder hatte und zwischen Wil und St.Gallen um die 42 Fischweiher anlegte. Der Grund: Rösch schätzte Fisch und musste zugleich den Bedarf für die zahlreichen Fastentage jener Zeit decken. «Auch der Fakt mit den Kindern stösst bei den Stadtführungen immer auf breites Interesse», so Schär. «Dass katholische Priester Kinder hatten, war bis zur Reformation nichts Aussergewöhnliches.»
Am 4. Juli 2026 jährt sich der Geburtstag von Abt Ulrich Rösch zum 600. Mal. Obschon zwischen dem heiligen Otmar und ihm um die 60 weitere Äbte ihre Dienste taten, gilt Ulrich Rösch als zweiter Gründer des Klosters St.Gallen. «Er war ein Reformer auf allen Linien», bringt es der stellvertretende Stiftsarchivar Jakob Kuratli auf den Punkt. «Rösch brachte die Finanzen des Klosters wieder ins Lot, vergrösserte das Territorium und machte Verträge seines Vorgängers rückgängig, der wesentliche Rechte des Klosters an die Stadt St.Gallen verkaufen wollte.»
Wil und Rorschach als zentrale Stationen
Wer sich mit dem Leben Abt Ulrichs beschäftigt, wähnt sich beinahe in einem Krimi. Politische Konflikte und tiefgreifende Umbrüche prägten seine Zeit. Dabei spielten auch Wil und Rorschach eine zentrale Rolle.
Wie Ruedi Schär und Jakob Kuratli ausführen, teilte der Abt die weltliche Verwaltung in verschiedene Zuständigkeiten auf. Im Hof zu Wil, der nach umfassender Renovation exakt am 4. Juli seine Türen wieder öffnet, richtete der Fürstabt das Verwaltungszentrum für den westlichen Teil der Fürstabtei ein. Dazu zählte ab 1468 auch die Grafschaft Toggenburg. Der Abt selbst lebte sodann mehrheitlich in Wil. Auch die dortige Stadtkirche St.Nikolaus wurde während seiner Amtszeit fertiggestellt.
Rorschach rückte in den Fokus, als sich Rösch in St.Gallen nicht mehr sicher fühlte und das Kloster an den Bodensee verlegen wollte. Diese Pläne passten den Stadt St.Gallern und Appenzellern überhaupt nicht und sie zerstörten die im Bau befindliche Klosteranlage Mariaberg oberhalb von Rorschach. Die Stadt St.Gallen widersetzte sich vor allem aus wirtschaftlichen Gründen, die Appenzeller befürchteten auch handelstechnische und politische Nachteile. Nach einem Schiedsspruch wurde die Anlage dennoch fertig gebaut. Jakob Kuratli spricht mit Blick auf das heutige Bauwerk von einem «Bijoux spätgotischer Bautätigkeit».
Feierlichkeiten in Wil, St.Gallen und Rorschach
In Erinnerung an Abt Ulrich Rösch und aus Anlass seines 600. Geburtstags finden am Wochenende vom 4./5. Juli diverse Veranstaltungen statt.
In Wil wird – nebst den Feierlichkeiten aus Anlass der Wiedereröffnung des sanierten Hofs zu Wil – am 5. Juli um 11 Uhr zu einem Festgottesdienst in der Kirche St.Nikolaus geladen, zelebriert von Generalvikar Sebastian Wetter. Am Nachmittag um 15 Uhr unterzeichnen Vertreter von Wangen im Allgäu, dem Geburtsort Röschs, und Wil, seinem späteren Wirkungsort, eine Städtepartnerschaft. «Damit lebt eine uralte Partnerschaft neu auf», sagt Ruedi Schär.
In St.Gallen, wo Abt Ulrich Rösch nach seinem Tod die letzte Ruhestätte im Kreuzgang der Kathedrale gefunden hatte, existiert bis heute über seinem einstigen Grab ein Wandgemälde. Dieses Grabmal kann am Sonntag, 5. Juli, im Anschluss an die Gottesdienste von 8.30 Uhr und 10.30 Uhr unter fachkundiger Führung von Katrin Roth-Rubi, Spezialistin für Forschung in Spätantike und Mittelalter, besichtigt werden. Zudem ist der Kreuzgang frei zugänglich bis nachmittags um 16 Uhr. Zusätzlich öffnet das Kloster Mariaberg in Rorschach von 10 bis 16 Uhr seine Türen. Jeweils um 10 Uhr und 14 Uhr werden Führungen angeboten.
Was wir von Rösch lernen können
Ulrich Rösch stammte nicht aus dem Adel. Dennoch gelang ihm der Aufstieg bis an die Spitze der Fürstabtei St.Gallen. Für Jakob Kuratli liegt darin eine Botschaft, die auch heute noch aktuell ist: «Wer sich Mühe gibt und anstrengt, kann etwas erreichen», sagt er. So sei es Rösch gelungen, auch als Immigrant in der Fürstabtei St.Gallen Karriere zu machen. Anfangs Juli wird nun diese Persönlichkeit ein ganzes Wochenende lang in der Ostschweiz gefeiert.
Text und Bilder: Roger Fuchs