2,2 Millionen Scans: Stiftsarchiv St.Gallen geht in die digitale Zukunft
Donnerstag, 24. September 2026Das Stiftsarchiv St.Gallen digitalisiert aktuell alle noch nicht gescannten Bücher und Akten; insgesamt 2,2 Millionen Scans. Die beiden Träger – der Katholische Konfessionsteil St.Gallen und der Kanton St.Gallen – investieren hierzu knapp eine Million Franken. Den Auftakt der Digitalisierungsarbeit bildete der Buch- und Aktenbestand des ehemaligen Klosters Pfäfers. Gearbeitet wird im bisherigen Lesesaal mit hochmodernen Scannern, wie ein Augenschein zeigt.
Jakob Kuratli, stellvertretender Stiftsarchivar, verfolgt die Scannerarbeiten interessiert. Bild: Roger Fuchs
Bereits 2008 wurden im Stiftsarchiv St.Gallen sämtliche mittelalterlichen Urkundenbestände digitalisiert, 2018 folgte der frühmittelalterliche Bestand. Aktuell wird nun die digitale Sicherstellung der restlichen Kernbestände vorgenommen, sodass am Schluss das komplette Stiftsarchiv digital erfasst ist.
Konkret handelt es sich bei den restlichen Kernbeständen um Bücher und Akten zwischen dem 13. und 18. Jahrhundert. Am Ende des Projekts werden rund 1,5 Millionen gescannte Buchseiten sowie 700’000 Aufnahmen aus Aktenbeständen vorliegen. Gestartet ist man mit dem Buch- und Aktenbestand des ehemaligen Klosters Pfäfers, der nun vollständig digital gesichert ist.
Angesprochen auf die Chancen der Digitalisierung erwähnt der stellvertretende Stiftsbibliothekar Jakob Kuratli unter anderem den Einsatz Künstlicher Intelligenz. «Es wird der Tag kommen, an dem der Computer die Dokumente lesen kann. Jede und jeder wird dann dank der Digitalisierung jede beliebige Frage zur Geschichte des Klosters St.Gallen stellen können.» Die Antworten auch richtig zu interpretieren, bleibe aber nochmals eine andere Sache. Dazu werde es auch künftig Historikerinnen und Historiker brauchen.
Bis zu 2800 Aufnahmen pro Tag
Der Katholische Konfessionsteil des Kantons St.Gallen und der Kanton St.Gallen investieren als gemeinsame Träger des Stiftsarchivs eine knappe Million Franken ist das Scannerprojekt. Gearbeitet wird im einstigen Lesesaal, wo die ausführende Firma GBL Gubler AG aus Frauenfeld topmoderne Scanner aufgestellt hat.
Ein Augenschein zeigt: Bei beiden Scannern werden die Dokumente auf eine dunkle Unterlage gelegt, ein Glas presst die Seiten vor der Aufnahme flach. Bei einem der beiden Scanner ist die Wippe V-förmig. «Diesen Scanner benutzen wir für die fragilen Objekte, bei denen ein Öffnungswinkel von 180 Grad schwierig ist», heisst es vor Ort. So könne man die Originale schonen und strapaziere diese nicht unnötig.
Bis Ende 2028 soll das Projekt abgeschlossen sein. Pro Tag sind mit den Scannern bis zu 2800 Aufnahmen möglich. Diese werden zuerst auf einem internen Speicher der Scanner gespeichert und jeden Abend auf einen Rechner übertragen, der das Material auch mit der Zentrale in Frauenfeld synchronisiert.
Technischer Fortschritt
Bei den Verantwortlichen des Stiftsarchivs zeigt man sich erfreut über den erfolgreichen Start des Digitalisierungsprojekts. «Wenn wir hier durch sind, haben wir die Digitalisierung abgeschlossen», sagt Jakob Kuratli. Beim Stiftsarchiv handle es sich um ein «totes» Archiv, hier komme nicht wie in anderen Archiven täglich neues Material dazu. Die einzige kleine Unschönheit sei, dass die heutigen Scans sich angesichts des technischen Fortschritts bereits wieder wesentlich von den digitalisierten Daten im Jahr 2008 unterscheiden und abheben.
rf