Katholisches Kollegium vom 17. Juni 2014

Dienstag, 17. Juni 2014

Katholisches Kollegium: Schuldensanierung Caritas und Neuwahl Administrationsrat
Ein Ja zu sozialer Verantwortung

Vor einem halben Jahr ging es noch darum, ein "Grounding" der Caritas St.Gallen-Appenzell zu verhindern. Seit der Kollegiumssitzung von Dienstag, 17. Juni, ist die wichtigste soziale Institution der katholischen Kirche im Bistum St.Gallen schuldenfrei. Kein einziges Mitglied des katholischen Kollegiums sprach sich gegen die vom Administrationsrat beantragte Schuldensanierung von über 1,2 Millionen Franken aus. Im Gegenteil: diskutiert wurde über ein zusätzliches Startkapital von 250'000 Franken.

Der Präsident der vorberatenden Kommission, betonte die Notwendigkeit der Schuldensanierung, die ein Ja der Kirche zu sozialer Verantwortung bedeute. Er verschwieg aber nicht, dass der Administrationsrat zu lange auf positive Zukunftsprognosen der ehemaligen Geschäftsleitung vertraut habe. Eine Rückblende: der Spardruck von Seiten der Kantone und der Gemeinden hatte sich massiv auf die Finanzierung von Projektplätzen für Langzeiterwerbslose und anerkannte Flüchtlinge ausgewirkt, die Einnahmen blieben seit 2009 hinter den Erwartungen zurück. Die Voten aus dem Kollegienrat waren deutlich: "Die Caritas hilft dort, wo sonst niemand da ist" oder "am karitativen Engagement wird die Kirche gemessen", dies nur zwei von vielen Wortmeldungen zugunsten der schliesslich ohne Gegenstimme beschlossenen Schuldensanierung. Kollegienrat Roman Giger, Stadtpfarrer von Wil, beantragte gar, eine Viertelmillion zusätzlich zu sprechen als Startkapital. Auch wenn sein Vorschlag nur von einer Minderheit befürwortet wurde, war die Stimmung im Saal eindeutig: der Kollegienrat steht trotz schwierigen Zeiten klar hinter der Arbeit der Caritas St.Gallen-Appenzell, alle im Kantonsratssaal zeigten sich gewillt, die Weichen für die Zukunft mit diesem Schuldenschnitt zu stellen.

Der Administrationsrat beantragte der Versammlung die Schuldenfinanzierung durch Abschreibungen über die laufende Rechnung der Jahre 2015 bis 2020 vorzunehmen, 85 Kollegienräte stimmten für dieses Vorgehen. Ein Antrag aus dem Kollegium, den gesamten Betrag im Sinne einer ehrlichen Rechnung 2014 als Debitorenverlust zu verbuchen wurde mit 65 Ja-Stimmen abgelehnt. Administrationsratspräsident Hans Wüst hatte zuvor betont, dass man nichts verstecken wolle, aber versuche, diese jährliche Abschreibung im Rahmen des ordentlichen Budgets auszugleichen.

Caritas St.Gallen-Appenzell wird seit Januar 2014 in einem integralen Verbundmodell mit Caritas Schweiz geführt, künftig allfällige Defizite übernehmen wird. Mit der Schuldensanierung ist ein notwendiger und vertraglich vereinbarter nächster Schritt in die gemeinsame Zukunft getan. Bistum und Konfessionsteil beteiligen sich wie bisher mit über einer Million Franken jährlich an den Betriebskosten.

Rücktritt aus dem Administrationsrat
Kollegienratspräsident Beda Hässig verabschiedete den langjährigen Kollegienrat und Administrationsrat Dr. Walter Pfister aus Gossau. Er war von 1987 bis 2007 Mitglied des Kollegienrates und ab 2007 Administrationsrat. In Zeiten der WM verglich der Kollegienratspräsident diese "vita collegium" mit einem Fussballerleben. Walter Pfister habe vier Jahre ein "einfaches Kollegienratsleben" ohne Sonderaufgaben geführt, dann sei er zum Stammspieler mit besonderen Funktionen geworden und dann, 2007, habe ihn der Kollegienrat zum Transfer in den Administrationsrat freigegeben. Auch dort war Dr. Walter Pfister mit vielen Aufgabengebieten betraut, so für die Mission- und Entwicklungshilfe oder mit der Bearbeitung von Rechtsfällen.

Erfreulicherweise eine Kampfwahl
Für den Rest der Amtsdauer 2012/2015 war nun ein Sitz im Administrationsrat vakant, 160 Stimmzettel wurden im Saal verteilt. Erfreulicherweise stellten sich zwei kompetente und engagierte Kandidaten für die Nachfolge zur Wahl. Beide haben reiche politischer Erfahrung aus dem Kantonsrat (CVP-Fraktion) und sind kirchlich engagiert in verschiedenen Ämtern: Felix Bischofberger (1968), Postunternehmer/Leiter Angestelltenpolitik KV ost, Altenrhein, und Raphael Kühne (1956), Rechtsanwalt, Mediator und Notar, Flawil. Für beide Kandidaten wurden aus ihren jeweiligen Regionen engagierte Voten abgegeben. Die Versammlung wählte mit 86 Stimmen den Juristen Raphael Kühne. Auf Felix Bischofberger entfielen 72 Stimmen. 

Der neu gewählte Administrationsrat ist seit 1984 selbständiger Rechtsanwalt. Unter anderem war er von 1984 bis 1999 Kirchgemeindepräsident von Flawil und Mitglied des Kollegienrates. Seit 1988 ist er Klosterberater der Dominikanerinnen in Wil und seit 2000 Mitglied der ständigen Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet Europas. Am Nationalfeiertag wird Raphael Kühne sein Amt in der "Regierung" der st.galler Katholiken antreten. Mit ihm ist nach Dr. Walter Pfister wieder ein Jurist im Administrationsrat vertreten.

Festsaal wird saniert
Der Kollegienrat hatte an der Juni-Sitzung auch über die Sanierung des Festsaales und der Fenster in der bischöflichen Wohnung zu entscheiden. Wertvolle textile Wandbeläge sind zerrissen und vergilbt, die Deckenstuckaturen schmutzig und teils beschädigt, ebenso bedarf der wertvolle Holzboden einer Restauration. Der Kollegienrat stimmte für dieses unter höchsten denkmalpflegerischen Auflagen stehende Projekt einem Kredit von 380'000 Franken zu. Rund 88'000 Franken werden an Denkmalpflegebeiträgen von Stadt, Bund und Kanton fliessen, somit bleibt eine Restschuld von 292'000 Franken.

 


Weitere Geschäfte

  • Die Jahresrechnung des Katholischen Konfessionsteils wurde ohne Gegenstimmen genehmigt. Bei einem Budget von 59 Millionen Franken resultierte ein Ausgabenüberschuss von 131'000 Franken, budgetiert war ein Defizit von 348'000 Franken.
  • Margrit Hunold-Schoch, Tscherlach, ist in den Vereinsvorstand der Caritas St.Gallen-Appenzell gewählt worden.
  • Dr. Karl Schönenberger, Niederwil, ist als Nachfolger von Elmar Müller, Gossau, in die kollegienrätliche Geschäftsprüfungskommission gewählt worden.
  • Die Kollegienräte haben einem Vertrag zwischen dem katholischen Konfessionsteil des Kantons St.Gallen und der katholischen Landeskirche des Kantons Thurgau zugestimmt. Er betrifft die Mitgliedschaft und die Steuerpflicht der in Rickenbach wohnhaften katholischen Personen, da die Pfarreien von Wil und Rickenbach TG zusammengehen. Die beiden Orte sind längst zu einem gemeinsamen Lebensraum zusammengewachsen.
  • Zum letzten Mal stimmten die Kollegienräte über die Jahresrechnung der seit dem 1. Januar 2014 verselbständigten Pensionskasse des katholischen Konfessionsteiles ab.

 


Felix Bischofberger (links) gratuliert dem neu gewählten Administrationsrat Raphael Kühne
 

Stimmabgabe im Kantonsratssaal zur Wahl eines Administrationsrates
 

Raphael Kühne, Flawil, wurde für den Rest der Amtsdauer 2012/15 in den Administrationsrat gewählt (Vereidigung)
 
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