200 Jahre - Jubiläumssitzung des Kath. Kollegiums mit Ansprache von Bischof Markus Büchel

Mittwoch, 20. November 2013

Letztmals war ein Bischof 1997 im Katholischen Kollegium aufgetreten: Bischof Ivo Fürer bei der Feier 150 Jahre Bistum St.Gallen. Diesmal ging es um das Jubiläum 200 Jahre Katholischer Konfessionsteil des Kantons St.Gallen. Dazu sprach Bischof Markus Büchel Dank und Anerkennung aus, denn: «Bis heute ist es uns gelungen, die konfessionelle – auf staatlichem Recht beruhende – und die kirchliche hierarchisch gegliederte Gemeinschaft in einem Miteinander und Füreinander so zu leben, dass wir gegenüber der Welt und in der Welt ein glaubwürdiges christliches Zeugnis abgeben». Dabei seien die Zeiten in der Anfangsphase nach der Kantonsgründung «unvorstellbar bewegt» gewesen.

«Unser gemeinsames Erbe»
Zur Bedeutung des Katholischen Konfessionsteils zitierte der Bischof aus dessen Verfassung: «Der Konfessionsteil schafft Voraussetzungen und leistet Hilfe für die Erfüllung kirchlicher Aufgaben». Heute seien das «drei grosse Tätigkeitsfelder: Kirche, Bildung und Kultur». Der nachfolgende Redner, Regierungsrat Martin Gehrer, bezeichnete aus staatlicher Sicht «diese drei Säulen als unser gemeinsames Erbe».

Im Tätigkeitsfeld Kirche stehe das Bistum im Fokus: «Mit den Geldern der Zentralsteuer schaffe der Konfessionsteil die materiellen Grundlagen für die Erfüllung der drei Grundvollzüge der Kirche: Verkündigung des Evangeliums, Feier des Glaubens und Diakonie, Dienst an den Armen». Der Konfessionsteil werde zudem in jeder Region tätig «bei der Renovation von Kirchen und Gemeindezentren in den Dörfern, sowie bei der Mitfinanzierung der Pastoral in finanzschwachen Seelsorgeeinheiten und Pfarreien.

Zur Diakonie hielt Bischof Markus Büchel fest, sie sei «geradezu ein Schwerpunkt kirchlichen Einsatzes des Konfessionsteils». Die Sozialaufbrüche im 18. und 19. Jahrhundert seien «mit starken Impulsen von St. Galler Bischöfen und Laien begleitet» gewesen. Es sei aber auch eine Wesensaufgabe der Kirche, sich in den gesellschaftlichen Diskurs einzubringen, vor allem wenn es um so grundsätzliche christliche Werte wie Menschenbild, Lebensschutz und Fragen rund um Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung geht».

Für die Christen gehe es darum, die Zeichen der Zeit zu entdecken»; dazu brauche es den Einsatz aller, von Seelsorgenden und Laien. «Und vertrauen wir auf die Hilfe Gottes».

Recht gutes Neben- und Miteinander
Zweiter Redner war Regierungsrat Martin Gehrer; er vertrat den aus gesundheitlichen Gründen verhinderten Regierungspräsidenten Stefan Kölliker. Gehrer blickte zurück in die Anfänge des Kantons St.Gallen. Napoleon habe 1805 zugunsten des Kantons anstelle des Klosters entschieden. «Das Stiftsvermögen wurde liquidiert und in Staatsgut sowie katholisches Gut aufgeteilt. Die katholischen Vermögenswerte wurden einer katholischen Pflegschaft übergeben und blieben für religiöse und soziale Zwecke erhalten. Vor 200 Jahren gelangten sie dann in die Hände des Katholischen Konfessionsteils, der per Dekret zur Regelung aller katholischen Angelegenheiten geschaffen wurde.»

Nach anfänglichen Spannungen gelinge das Neben- und Miteinander mittlerweile recht gut. Das zeige sich auch darin, «dass Konfessionsteil und Kanton bis heute für unser Weltkulturerbe – Stiftsarchiv und Stiftsbezirk – gemeinsam Verantwortung übernehmen.»

Der Staat schätze «das breite Engagement des Katholischen Konfessionsteils, sei es im caritativen, sozialen, diakonischen oder kulturellen Bereich. Mir ist durchaus bewusst, was nur schon der Unterhalt vieler denkmalgeschützter Kirchenbauten bedeutet. Ohne dieses Engagement müssten viele Aufgaben von der öffentlichen Hand übernommen werden.»

Gemeinsames Kirche-Sein
«Einfach Dankbarkeit» empfand Pfarrer Dölf Weder, Präsident des Kirchenrates der kantonalen Evang.-ref. Kirche, beim gemeinsamen anschliessenden Mittagessen. «Unsere beiden Kirchen arbeiten heute an so vielen Orten und in so vielen Themen hervorragend zusammen; partnerschaftlich und in wahrem ökumenischem Geist».

Zur Gründungszeit der beiden Kantonalkirchen im 19. Jahrhundert habe das noch etwas anders ausgesehen. «Aber aus einem Nebeneinander und oftmals einem Konkurrenzverhältnis, aus zwei doch recht separierten gesellschaftlichen Milieus, wurde ein gemeinsames, partnerschaftliches Zusammenleben – so wie wir es von uns als Christen ja auch erwarten». Weder schloss mit dem Leitwort seiner Kantonalkirche: «Auf ein weiteres gemeinsames Kirche-Sein – nahe bei Gott – nahe bei den Menschen».

Die Sachgeschäfte
Die Sitzung des Katholischen Kollegiums dauerte nicht lange; die eigentlichen Sachgeschäfte passierten rasch. Beim Voranschlag 2014 war ersichtlich, dass sich die finanzielle Situation des Konfessionsteils etwas entspannt hat. Die Sparmassnahmen greifen bereits. Der Voranschlag rechnet bei einem Gesamtaufwand von 55 Millionen Franken mit einem Fehlbetrag von 177'000 Fr.; das sind 0,3 Prozent des Aufwands. Grösster Ausgabenfaktor in einem Dienstleistungsbetrieb wie dem Katholischen Konfessionsteil ist der Personalaufwand; er beläuft sich auf 37 Prozent. Die Zentralsteuer wird auf 4 % belassen.

Bewilligt hat das Kollegium knapp eine halbe Million Franken für den Einbau einer zweiten Schulküche im Notkerschulhaus der «flade», der katholischen Kantonssekundarschule. Damit sollen die Verhältnisse für den Kochunterricht wesentlich verbessert werden.

Dran bleiben
Entgegen genommen hat der Administrationsrat das Postulat «Wo fliesst unsere Kirchensteuer hin?». Das Anliegen: Es brauche heute «weitere kreative Instrumente, um die Verwendung der Kirchensteuergelder einer breiten Öffentlichkeit auf einfache Art und Weise aufzuzeigen».

Das Postulat war in der vergangenen Junisession von der Region Linthgebiet eingereicht worden. Den Kirchgemeinden seien Instrumente in die Hand zu geben, mit denen sie glaubhaft argumentieren könnten, «dass die Kirchensteuern vor allem für die seelsorgerischen und pastoralen Aufgaben in der eigenen Kirchgemeinde sowie für die überregionalen Aufgaben des Bistums und deren sozialen Institutionen verwendet werden».

Festansprache von Bischof Markus Büchel

Festansprache von Vize-Regierunspräsident Martin Gehrer

Festansprache von Stadtpräsident Thomas Scheitlin

Festansprache von Pfr. Dr. Dölf Weder, Kirchenratspräsident Evang.-ref. Kirche St.Gallen

Festansprache von Administrationsratspräsdient Hans Wüst

 

 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
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