Das Buch der Brüche

Montag, 12. November 2018

„Während sie erzählt, schreit das Kind, wirft Farbstifte und Papier zu Boden, lässt den Schoppen folgen, schreit immer lauter und quengeliger. Sie kann ihre gezähmte Ungeduld kaum zurückhalten. Niemand hilft ihr. Und jetzt noch die unbezahlten Rechnungen. Nicht einmal mehr telefonieren kann sie…“. Es sind Menschen wie diese Mutter, von denen Bernhard Brack im «Buch der Brüche» erzählt.

Es sind Menschen, denen das Leben auf unerwartete Weise mitgespielt hat. «Das Buch der Brüche» erzählt, wie sie widrige Umstände und zerbrechende Lebenswünsche aushalten und wie sie in ihrem Überlebenskampf – verschämt, phantasie- und humorvoll – ihre Würde zu wahren suchen. Beschrieben sind kurze Szenen, Momentaufnahmen in ihrem Leben, die Bernhard Brack, Sozialarbeiter beim katholischen Sozialdienst Zentrum in St.Gallen, beschreibt. Sie sind entstanden aus seinen Begegnungen mit Hilfesuchenden. „Diese Momente setzen sich mir als Lesendem fest und spinnen sich dort weiter zu ganzen Schicksalsläufen und Lebensgeschichten“, schreibt Norbert Hochreutener, ehemaliger Mitarbeiter im Personalamt des Bistums St.Gallen, zum „Buch der Brüche“. Er stand Bernhard Brack bei der Entstehung der Publikation beratend zur Seite.

Hoffnung wecken

Die insgesamt 93 Geschichten sind im „Buch der Brüche“ rhythmisch untergebracht in der Zeitstruktur einer Woche: So sind die einzelnen Kapitel überschrieben: „Der erste Tag“, „Der zweite Tag“, „Der dritte Tag“…, „Der siebte Tag“ hat zwei leere Seiten. Ein Tag beinhaltet jeweils 15 bis 16 Geschichten. Ergänzend zu den Geschichten enthalten die Kapitel auch erhellende Fotografien und kurze Beschreibungen von insgesamt 36 Diakonie-Projekten des „Otmars-Brunnens“. „Sie sind ein Versuch, Antworten zu geben auf die Geschichten, wollen Hoffnung wecken und Pfarreien und Seelsorgeeinheiten anregen und ermutigen, Menschen, die Brüche erleben, konkret nahe zu sein und zu helfen“, sagt Bernhard Brack. Der Otmars-Brunnen wurde von Bistum und Katholischem Konfessionsteil als Fonds zur Lancierung neuer Diakonie-Projekte im Rahmen des Otmars-Jahres 2009 eingerichtet und ist nun abgeschlossen.

Texte und Bilder würdigen die Menschen

Das „Buch der Brüche“ ist in Prosa geschrieben, doch hat Bernhard Brack auch Gedichte verschiedener Autorinnen und Autoren eingefügt, die eine zusätzliche Dimension der Sichtweise auf Brüche im Leben von Menschen ermöglichen. „Eine weitere Ebene der Betrachtung bieten die Fotos von Marcel Cello Schumacher, Kommunikationsspezialist, der aufgrund der Geschichten Motive suchte, welche bildhaft die seelisch-geistige Spur des Erzählten ausdrücken“, so Bernhard Brack. Die Geschichten und Projektbeschreibungen, die Gedichte und Fotos würdigen die Menschen und ihr Leben, halten das Zerbrechende, Verlorene fest, lassen aber auch die Schönheiten, die verborgenen Weisheiten und den Humor der Menschen in schweren Lebenssituationen aufblitzen. „Wir alle sind unterwegs, um Bruchstellen zu heilen, in uns selbst, in Beziehung zu unseren Mitmenschen, im gesellschaftlichen Kontext. Das „Buch der Brüche“ will dazu einen Beitrag leisten und herzerweiternd wirken“, sagt Bernhard Brack.

Am Freitag, 16. November, nach dem Festgottesdienst zum Otmarstag, findet ca. um 19.15 Uhr im Chorraum der Kathedrale St.Gallen die Buch-Vernissage statt.

Bernhard Brack, Buch der Brüche, Verlag Format Ost, Schwellbrunn AR, 2018, ISBN: 978-3-03895-007-3. Das Buch kostet 28 Franken und kann in jeder Buchhandlung bezogen werden.

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