Lebendig als kirchliche Stätte wie auch als Museum

Freitag, 10. November 2017

Nachdem im letzten Herbst der «Managementplan» für das UNESCO Weltkulturerbe Stiftsbezirk St. Gallen präsentiert wurde, veranlassten Stiftsarchiv und Stiftsbibliothek eine Umfrage bei interessierten Bevölkerungskreisen und wichtigen Stakeholdern in der Region St.Gallen. Die Teilnehmenden bezeichnen den Stiftsbezirk generell als sehr bedeutend und von wunderbarer Schönheit, das grösste touristische Potential sehen sie bei der Stiftsbibliothek und den höchsten Verbesserungsbedarf beim Stiftsarchiv. Für die Kathedrale gewichten die Befragten die religiöse Nutzung und Bedeutung hoch. Dass ein einladendes Gesamtkonzept für breite Bevölkerungsgruppen fehlt, wird als Schwäche des UNESCO-Weltkulturerbes Stiftsbezirk St.Gallen wahrgenommen.

Unter der Leitung des Universitätsdozenten Dr. Patrick Cotting und mit Unterstützung der Ria & Arthur Dietschweiler Stiftung St. Gallen wurden in der Studie Fragen zur Wahrnehmung, zum Hauptzweck, zu den Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken wie auch zu Faktoren zur Attraktivitätssteigerung des Stiftsbezirks gestellt. Stakeholder wie Regierungsrat Martin Klöti, Stadtpräsident Thomas Scheitlin oder Bischof Markus Büchel und Administrationsratspräsident Martin Gehrer, sehen die grössten Risiken in der Balance zwischen sakraler und weltlicher Nutzung und der heute zu komplizierten Führung und Organisation mit unterschiedlichsten Interessengruppen. Über die Online-Umfrage auf den Websiten von Stiftsbibliothek und Stiftsarchiv nahmen gesamt 155 Personen teil, sie haben mehrheitlich ein hohes Interesse am Stiftsbezirk.

Chancen werden in einer verbesserten Präsentation und der Lancierung von neuen Angeboten gesehen. Die Befragten sind sich praktisch einig, dass der Komplex Stiftsbezirk sowohl als kirchlich-spirituelle Stätte wie auch als historisches Museum und Veranstaltungsort lebendig bleiben soll. Sie wünschen sich vor allem Besucherinnen und Besucher, die gebildet, interessiert, offen, erwachsen und aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und der EU stammen, weniger aus Asien. Das Potential der Besucher «vor der Haustüre» ist bisher nicht ausgeschöpft. Dr. Patrick Cotting zieht eine Parallele zum Schloss Chillon, das trotz Ausrichtung auf asiatische Touristen noch immer von knapp 100'000 Schweizerinnen und Schweizern jährlich besucht wird, während die Stiftsbibliothek auf weniger als 40'000 Schweizern pro Jahr kommt. «Hätte der Stiftsbezirk gleich viele Gäste aus der Schweiz wie Chillon - was aufgrund seiner weltweiten Bedeutung, seiner Lage und Schönheit logisch sein müsste – wäre das ein Mehrfaches gegenüber heute», erklärt er.

Auf der Wunschliste der Umfrage-Teilnehmenden stehen Verbesserungen bei der Kommunikation, der Beschilderung und der Infrastruktur. Ausserdem sollen die Programme und Dienstleistungen auf unterschiedliche Besuchergruppen, beispielsweise Kinder/Erwachsene, zugeschnitten werden. Schliesslich wünschen sich die Befragten eine attraktive Preispolitik bei den Eintritten in Stiftsbibliothek und Stiftsarchiv.

 
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