“Höchster“ Katholik im Kanton gewählt

Dienstag, 15. November 2016

November-Sitzung des Katholischen Kollegiums: Budget und Bauprojekte bewilligt

"Höchster Katholik" im Kanton gewählt


Paul Gähwiler-Wick aus Henau ist neuer Präsident des Katholischen Kollegiums. Das Budget 2017 wurde einstimmig genehmigt. Ebenso die Bauprojekte im Klosterhof und das neue Schullabor für das Klosterschulhaus flade und die Kathedralvereinbarung. Das Kollegium trat auf zwei Volksmotionen nicht ein.

Präsident André Straessle leitete nach einer gehaltvollen Einführung als letzte Amtshandlung die Wahl seines Nachfolgers Paul Gähwiler-Wick, Henau. Alle 169 Kollegienräte gaben ihm ihre Stimme. Sofort nach der Wahl übergab André Straessle sein Amt an den bisherigen Vizepräsidenten. Paul Gähwiler dankte in seiner Antrittsrede seiner Familie und seinem Arbeitgeber, der Schweizerische Post, für flexible Arbeitszeiten und die Möglichkeit, ein solches Amt wahrzunehmen. Als erste Amtshandlung leitete er die Wahl des neuen Vizepräsidenten. Josef Seliner, Kaltbrunn, wurde einstimmig gewählt.

Budget 2017: Rote Null
Die Geschäftsprüfungskommission, vertreten durch Urs Bachmann, Wil, stellte die Botschaft des Administrationsrates zum Budget 2017 und zur Festsetzung des Zentralsteuerfusses vor. Das Budget 2017 weist bei einem Aufwand von 62 Millionen Franken einen Aufwandüberschuss von rund 304'000 Franken aus, der Finanzhaushalt des Katholischen Konfessionsteils ist somit fast ausgeglichen. Für 2017 wird ein leichtes Ausgabenwachstum erwartet, unter anderem begründet durch einen personellen Ausbau mit Gesamtkosten von 145'000 Franken im Bereich des Bischöflichen Ordinariates. Grund ist, dass immer häufiger aus Seelsorgeeinheiten wie Kirchgemeinden Dienste der "Zentrale" genützt werden. Administrationsratspräsident Martin Gehrer: "Der Aufwandüberschuss ist überschaubar, das hätte man im Kantonsrat als rote Null bezeichnet".

Neue Kathedralvereinbarung
Die vorbereitende Kommission unter der Leitung von Anton Dörig, Zuzwil, stellte dem Kollegium die neue Vereinbarung über die Verwaltung der Kathedrale St.Gallen vor, die ebenfalls budgetrelevant ist. Bisher zahlte die Kirchgemeinde St.Gallen 60 Prozent (1,02 Millionen Franken), der Katholische Konfessionsteil 40 Prozent (680'000 Franken) der Gesamtkosten von 1,7 Millionen Franken/Jahr für den Kathedralbetrieb mit Löhnen des Seelsorge- und Unterhaltspersonals, dem laufenden Gebäudeunterhalt, Verbrauchsmaterial oder die Dommusik. Nach dem einstimmigen Ja des Kollegiums wird dieses Verhältnis umgekehrt sein. Grund ist die hohe Bedeutung der Bischofskirche als liturgisches und kirchenmusikalisches Zentrum und als Teil des Weltkulturerbes von internationaler Ausstrahlung. Demgegenüber hat die Dompfarrei stetig weniger Mitglieder.

Zwei Bauprojekte
Über und unter dem Boden des Klosterhofs besteht Renovationsbedarf. Unter dem Platz verlaufen bis zu 250-jährige, bisher nie sanierte Kanäle. Die Pflästerung des Platzes ist schadhaft und über dem Boden ist es an der Zeit, 115 Meter Fassaden über vier Stockwerke und 119 Fenster energetisch zu erneuern. Das Projekt wurde an der Sitzung vom Präsidenten der vorberatenden Kommission Louis Hüppi, Vilters, vertreten. Im Katholischen Kollegium war diese Vorlage mit lediglich zwei Enthaltungen unbestritten, zumal nun die Arbeiten im Klosterhof für viele Jahre kein Thema mehr sein werden. Die Gesamtkosten der Sanierung belaufen sich auf rund 2,9 Millionen Franken.

Ebenso angenommen wurde der Umbau und die Erneuerung eines Schülerlabors im Klosterschulhaus. Kommissionspräsident Andreas Borgogno, Waldkirch, ermunterte die Ratskollegen zu einem „Weihnachtsgeschenk“ für die Schüler und Lehrer. Der Administrationsrat erhielt auch hier einstimmig grünes Licht für den Kredit von 404'000 Franken.

Zwei Volksmotionen

Der Kollegienrat entschied an der Sitzung Nichteintreten auf die beiden Volksmotionen "Qualitätsentwicklung" und "Geprüfter Datenschutz", eingegeben von Thomas Hotz, St.Gallen. In der Volksmotion "Qualitätsentwicklung" wollte Thomas Hotz Ausführungsbestimmungen zum Personaldekret ergänzen über "fünf konkret erlebte Fragestellungen" die seine eigene Personalsituation betreffen. Seine zweite Volksmotion "Geprüfter Datenschutz" verlangte eine weitere Verbesserung des kirchlichen Datenschutzes. Administrationsratspräsident Martin Gehrer wies die Kollegienräte darauf hin, dass der Text der Volksmotion unter anderem "ein persönliches Anliegen von Thomas Hotz" aufgreife und Forderungen zur Lösung einer Personalsituation stelle. Damit seien die Anforderungen einer Motion nicht erfüllt. Kollegienrat Michael Okle, Niederhelfenschwil, bekräftigte diese Aussagen: "Es kann nicht sein, dass ein sehr persönliches Anliegen zu einer Volksmotion führt." Martin Gehrer betonte, dass der Administrationsrat die Themen Datenschutz und Qualitätssicherung ernst nehme. Das Bistum St.Gallen schaffe 2017 eine Ombudsstelle, zudem seien viele Anliegen im neuen Personaldekret, das per 1. Januar 2017 in Kraft trete, bereits enthalten. Beim Datenschutz gelten bisher die allgemeinverbindlichen Normen des Kantons. Es seien für die kirchlichen Institutionen spezifische Ergänzungen geplant. Bruno Good, Mels, wies darauf hin, dass Eintreten auf diese Volksmotionen eine Einmischung in bischöfliche Aufgaben bedeuten würde. Das Eintreten auf beide Volksmotionen wurde mit vier respektive sieben Enthaltungen deutlich abgelehnt.


Zukunft der Kath. Kantonssekundarschule flade gesichert
Die zuständige Administrationsrätin Margrit Stadler-Egli informierte am Schluss der Versammlung über die abgeschlossene Vereinbarung zwischen der Stadt und dem Konfessionsteil zur flade. Ab Schuljahr 2018/19 wird die flade eine vollwertige Oberstufenschule auf dem Platz St.Gallen sein. Die Stadtschüler und –schülerinnen werden neu vollumfänglich durch die Stadt finanziert. Der Schulbesuch ist unentgeltlich. Die Kollegienräte zeigten sich sehr erfreut über das Verhandlungsergebnis und dankten den Verantwortlichen mit einem grossen Applaus für die gute Lösung.

Der neue Kollegiumspräsident Paul Gähwiler-Wick, Henau (rechts) und sein Vizepräsident Josef Seliner, Kaltbrunn
 
André Straessle, St.Gallen (rechts) übergibt das Präsidentenamt an Paul Gähwiler-Wick, Henau
 
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