Von Fraktion zu Region

Montag, 07. November 2016

Martin Gehrer: Vom Regierungsrat in den Administrationsrat – manches ist ähnlich

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Seit Anfang Juni ist Martin Gehrer Präsident des Administrationsrates. Der Umzug von der Pfalz in den Klosterhof war schnell erledigt, die Aufgaben von Regierungsrat und Administrationsrat sind in gewissem Sinne ähnlich. Im Regierungsrat ist der Kantonsrat das Parlament, dem Administrationsrat steht das katholische Kollegium gegenüber. Ein Blick auf die ersten Monate und aktuelle Fragen.

Hauptsächliche Veränderungen in seiner neuen Umgebung und der Parlamentsarbeit fasst Gehrer so zusammen: "Das Kantonsparlament diskutiert nach Fraktionen, das Kirchenparlament eher nach Regionen". In der Kirche stehe die Spiritualität im Zentrum aller Aufgaben. Der Administrationsratspräsident kann sich auf den Support von Verwaltungsdirektor Thomas Franck und sein gut aufgestelltes Team in der Katholischen Administration verlassen. Anders als ein kantonaler "Departements-Stab" mit Amtsleitern und "Chefbeamten" ist die Katholische Administration eine kleine Einheit, die Geschäfte für alle Ressorts und nicht nur für den Administrationsratspräsidenten vorbereitet. "Entsprechend bin ich viel mehr operativ tätig und erstelle regelmässig selber Vorlagen für Administrationsrat oder Katholisches Kollegium", ergänzt Martin Gehrer. Dem Ex-Regierungsrat sagt die neue Herausforderung zu, die operativ ein Stück weit vergleichbar ist mit seiner einstigen Aufgabe als Gemeindepräsident von Gaiserwald.

Gutes Miteinander Bistum/Konfessionsteil
Im Klosterhof arbeitet Martin Gehrer nahe beim Bischof, es sind keine 50 Meter von seinem Büro bis zu dessen Wohnungstüre im gleichen Stockwerk. Das gute Miteinander zwischen Bistum und Konfessionsteil zu bewahren, ist ihm ein Anliegen. Dabei weiss der Administrationsratspräsident, dass es heute mehr Berührungspunkte gibt als früher, Strukturen müssen angepasst werden. In diese Richtung gehen das Personaldekret, das per 1. Januar 2017 umgesetzt wird oder das Verbandsdekret für die Verwaltungsebene in den Seelsorgeeinheiten. Mehr als früher wird aus Kirchgemeinden und Seelsorgeeinheiten nach "oben", also zum Konfessionsteil, zum Bistum oder zu beiden delegiert.

flade und Weltkulturerbe
Was geschah in seinen ersten Amtsmonaten? Über die Vereinbarung mit der Stadt St.Gallen zur flade ist der Administrationsratspräsident sehr froh. "Nicht allein über die Entlastung unseres 60-Millionen-Budgets um rund zwei Millionen Franken", betont er. "Genauso, weil mit der neuen Vereinbarung die Zukunft der flade als christliche Schule katholischer Prägung gesichert ist." Für Schülerinnen und Schüler anderer Konfessionen oder Religionen sei bei spezifischen Angeboten ein Parallelprogramm machbar. Im Management-Plan über den Stiftsbezirk zwischen Stadt, Kanton und Katholischem Konfessionsteil ging und geht es darum, Rollen sauber darzustellen und Mittel fair zu verteilen", sagt Martin Gehrer. Der Ex-Regierungsrat weiss, dass die Stiftsbibliothek gemessen an ihrer Bedeutung für Stadt, Region und Kanton bisher (zu) wenig von städtischen und kantonalen Subventionen profitierte und er ist überzeugt, dass sich dies bald ändern wird.

Die Politik bleibt wichtig
Der ehemalige Finanzminister des Kantons verfolgt aktuell die politischen Debatten rund um die Unternehmenssteuerreform III genau. In der "Werkzeugbox", mit der die Kantone zugunsten attraktiver Wirtschaftsstandorte arbeiten können, ist die Senkung der Gewinnsteuer ein wichtiger Pfeiler. "Die Einnahmen aus den Steuern juristischer Personen werden für die Kantone sinken", ist Martin Gehrer bewusst. Das hat Auswirkungen für die Kirchen, der Kanton beteiligt sich an den öffentlichen Leistungen der Kirchgemeinden (z.B. Löhne, Unterhalt Gebäude) über einen Finanzausgleichsbeitrag aus den Steuern juristischer Personen. Martin Gehrer ist zuversichtlich, dass im Kanton St.Gallen eine zweckmässige Lösung angestrebt wird.

Kampagne war positiv
Über die erstmalige Informations- und Imagekampagne von Konfessionsteil und Bistum findet er nur lobende Worte. "Es ist wichtig, dass die Kirche auf ihre Leistungen aufmerksam macht. Insbesondere was den Zeitraum von Montag bis Freitag angeht ist das Wissen um kirchliche Aufgaben bei vielen Menschen klein", veranschaulicht Martin Gehrer. Zusätzlich seien die kirchlich Engagierten durch die Kampagne gestärkt worden. Er wünscht sich, dass weitere Aktionen folgen werden. Wie bisher nicht in aggressiver Tonalität, sondern aufzeigend, wo überall Kirche drin ist. Als praktizierender Katholik hat Martin Gehrer auch eigene Anliegen an seine Kirche: "Ich wünsche mir, dass Bewegung kommt in die Rolle der Frauen". Im Bistum St.Gallen fühlt er sich insgesamt wohl, Bischof Markus Büchel gehe einen guten Weg, um die Kirche von heute zu gestalten.

Martin Gehrer, vom Regierungsrat zum Administrationsrat – manches ist ähnlich.
 
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