Die Domorgel – Instrument und Maschine

Montag, 03. Oktober 2016

Orgelrevision als weitere Etappe der Domsanierung 2016

Die Domorgel – Instrument und Maschine


Rund 60 Tonnen wiegt die St.Galler Domorgel mit ihren rund 6'000 Pfeifen und 75 Registern. Jedem Ton voraus geht ein faszinierendes elektrisches und mechanisches Zusammenspiel, vom Anschlagen der Tasten des Spieltisches auf Holzstäbe zu Drähten und Lederbälgen bis zum Wind, mit dessen Hilfe die Orgel erklingt. Seit Anfang August wird die "Königin" der Kathedrale gereinigt, wo nötig repariert und zum Schluss gestimmt. Im Advent soll ihr majestätischer Klang wieder zu hören sein. Ein sportliches Ziel für die Orgelbauer, gestresst wirken sie deswegen nicht, Handgriff für Handgriff sitzt.

"Die Orgel ist ein wunderbares Instrument, aber technisch gesehen auch eine Maschine", sagt Orgelbauer Matthias Hugentobler. Mit seinem bis zu sechsköpfigen Team ist er seit Ende August mit Reinigungs- und Erneuerungsarbeiten beschäftigt. Der "Bauch" der Orgel ist über Wochen offen, sie wirkt hinter ihrer schönen Fassade aus Holz und Vergoldung "ausgeweidet". In speziellen Gestellen auf der Empore sind hunderte Orgelpfeifen gestapelt. Teile des Spieltisches lehnen am Geländer, Lederbälge sind teils sichtbar erneuert, teils noch in reparaturbedürftigem Zustand. Die kleinste der Pfeifen ist wenige Zentimeter lang mit einem Durchmesser von drei Millimetern, dann geht es Zentimeter für Zentimeter in die Höhe, je nach Ton wird auch der Durchmesser stärker. Für 180‘000 Franken lässt der Katholische Konfessionsteil des Kantons St.Gallen die 1968 erbaute Orgel, eine der grössten in der Ostschweiz, sanieren. Die letzte Revision liegt fast 30 Jahre zurück. Das Instrument wird Schritt für Schritt zerlegt, gereinigt, beschädigte Teile wie Filzgarnituren, Holzstäbchen oder Lederbälge ersetzt, unzählige kleine Details gibt es zu erledigen.

Die vielen Orgelpfeifen werden mit Druckluft  ausgeblasen, der darin sitzende Staub geht direkt in einen Absaugtrichter. Die schön geputzte Kathedrale soll nicht schon wieder staubig werden. Matthias Hugentobler bläst sorgfältig in eine Orgelpfeife, hört den Klang. Kleine Manipulationen am Labium, teils mit feinsten Instrumenten, genügen schon, um die Pfeifen wieder zu ihrer korrekten Ansprache zu bringen. 85 Prozent der Pfeifen sind aus Metall, die restlichen aus Holz. Die grösste Holzpfeife ist zehn Meter hoch und über 550 Kilo schwer. "Es ist das tiefes C des Principalbass 32 Fuss", sagt Matthias Hugentobler. "Es ist eher im Bauch zu spüren als zu hören". Die grossen Pfeifen werden saniert wo sie sind, sie abzubauen wäre viel zu aufwändig. Für die Arbeiten hat Matthias Hugentobler teils von den Hebebühnen der Kathedralreinigung profitiert, der Zugang zu den grössten Orgelpfeifen und zum Oberbau des Instrumentes war durch dieses Hilfsmittel sehr gut möglich.

Die Orgelrevision ist der Abschluss aufwändiger Arbeiten in der Kathedrale mit Innenreinigung, Erneuerung der Elektroanlagen und der Beleuchtung. Die Intonation, das Stimmen der Orgel zum Abschluss der Arbeiten, wird Matthias Hugentobler auf viel Ruhe angewiesen sein. Der Blick hinunter in das Hauptschiff geht auf viele Besucherinnen und Besucher. "Niemand macht wirklich Lärm, aber ich bin auf absolute Ruhe angewiesen", sagt der Orgelbauer mit feinem Musikgehör. Für die St.Galler Königin nimmt er auch Abendarbeit in Kauf. Denn für diesmal hat der aus St.Gallen stammende Fachmann, der im In- und Ausland für viele Orgeln tätig ist, keinen weiten Arbeitsweg. (inf./Sabine Rüthemann)

Alle 6‘000 Orgelpfeifen werden ausgebaut, gereinigt, wieder eingesetzt und gestimmt.
 
Die grosse Domorgel wird unter der Leitung von Orgelbauer Matthias Hugentobler revidiert.
 
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