Katholischer Konfessionsteil investiert in Asylzentrum

Freitag, 30. September 2016

Thurhof: Annexbau mit Nasszellen ersetzen Sanitäranlagen im Hauptgebäude

Katholischer Konfessionsteil investiert in Asylzentrum


OBERBÜREN. Der Katholische Konfessionsteil des Kantons St.Gallen errichtet gegenwärtig für rund 1,1 Millionen Franken einen Annexbau für neue Nasszellen sowie einen Putzraum an das Hauptgebäude des Asylzentrums Thurhof. Im über 260-jährigen historisch wertvollen Gebäude gab es immer wieder Wasserschäden, die Nasszellen waren bedingt durch die teils sehr hohe Belegungszahl im Asylzentrum überbeansprucht und zu knapp. Die Anlage ist dem Kanton St.Gallen vermietet.


Stand September 2016 leben 136 Jugendliche Asylsuchende im Thurhof, darunter 15 Mädchen, ihr Alter ist zwischen 12 und 18 Jahren. Die meisten der Kinder und Jugendlichen stammen aus Eritrea und Afghanistan. Vor dem Haus spielen einige Volleyball, andere sitzen zusammen und reden, oberflächlich betrachtet erinnert die Szenerie an ein Ferienlager mit spielenden und lachenden Kindern. Der Schein trügt. „80 Prozent der hier lebenden jungen Asylsuchenden sind schwer traumatisiert“, sagt Zentrumsleiter Markus Laib. Manche wissen nicht wo Eltern und Geschwister sind und ob sie überhaupt noch leben. Andere haben per Telefon oder Internet Kontakt mit ihren Familien, die Sehnsucht nach den Angehörigen ist begreiflicherweise gross. Meist funktioniert das Zusammenleben im Thurhof trotz schwerem Schicksal gut. "Doch manchmal braucht es wenig, dann brechen Konflikte aus", ergänzt Markus Laib. Angesichts der belasteten Situation aller ist das nachvollziehbar, das Betreuungsteam versucht soweit das möglich ist den Jugendlichen und Kindern ein gutes Zuhause zu geben.

Neues Konzept ab 2017
Ab 2017 wird sich die Ausrichtung des Thurhofs auf Beschluss des Kantons ändern. Anstatt Kinder und Jugendliche sollen vorwiegend Familien hier ein temporäres Heim finden, die Übergangsfrist beginnt bereits am 1. Oktober. Die Minderjährigen werden künftig in die Gemeinden verteilt, die eine neue Betreuungsstruktur aufbauen.

Kein Luxus, sondern notwendig

Um die Wohnbedingungen zu verbessern, hat der Katholische Konfessionsteil des Kantons St.Gallen beschlossen, die sanierungsbedürftigen Sanitäranlagen im Hauptgebäude durch einen Annexbau zu ersetzen. Eine Sanierung im bestehenden Bau wäre aufgrund der sehr alten Bausubstanz und der teils unbekannten Leitungsführung zu aufwändig gewesen. Der Neubau ist absolut kein Luxus. "Die Zustände waren bedenklich", sagt Architekt Clemens Dudli, Uzwil. Durch die intensive Nutzung seien beispielsweise Wasserschäden entstanden, die sich negativ auf die historische Bausubstanz ausgewirkt haben.

Das nun umgesetzte Projekt wurde in enger Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege erarbeitet. Ein vierstöckiger Beton-Elementbau über Brücken mit dem Haupthaus verbunden, aber gleichzeitig klar von dem historischen Gebäude abgetrennt. Im Annexbau entstehen zwölf "Badezimmer" (eines für das Personal) mit WC, Dusche und Lavabos sowie ein Putz- und ein Technikraum. Als Sichtschutz an den verglasten Brücken lehnt sich ein Lattenrost an die Architektur des 2012 eingeweihten Nebengebäudes an.

Kostenbeteiligung Kanton
Der Kanton St.Gallen beteiligt sich an den Kosten über den Mietzins. Wesentlich ist, dass die Bewohnerinnen und Bewohner, selbst wenn sie nur wenige Monate im Thurhof verbringen, menschenwürdige sanitäre Einrichtungen haben. "Die Zustände, insbesondere in Zeiten hoher Überbelegung, waren nicht mehr zumutbar", sind sich Administrationsrat, Zentrumsleitung und Architekt einig.

Geschichte des Thurhof
Das Hauptgebäude im Thurhof wurde im Jahr 1778 als Wirtshaus errichtet, Nebengebäude wie Lager- und Stallgebäude gehörten dazu. Die Bausubstanz hat sich im Lauf der Geschichte verändert. Die heutigen Anlagen wurden im Jahr 1869 durch das Katholische Kollegium gebaut für die Aufnahme von verwahrlosten Kinder in Zusammenarbeit mit dem Kloster Magdenau. Nach einem Brand 1947 wurde das Wohnhaus "Sunnehüsli" in Leichtbauweise gebaut. 2012 wurde dieses Gebäude durch einen Neubau ersetzt. Seit 1987 wird die (gesamte) Anlage ohne den landw. Betrieb von der Caritas und seit 1993 vom Kanton St.Gallen als Zentrum für Asylsuchende betrieben.

Kontakt: Thomas Franck, Verwaltungsdirektor des Katholischen Konfessionsteils des Kantons St.Gallen, Tel. 071 227 33 33, 079 424 10 12 E-Mail thomas.franck@sg.kath.ch

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