Administrationsratspräsident Hans Wüst übergibt Amtsgeschäfte an Martin Gehrer

Dienstag, 22. Dezember 2015

Stabswechsel im Administrationsratspräsidium
Administrationsratspräsident Hans Wüst übergibt Amtsgeschäfte an Martin Gehrer

Schon länger hatte Hans Wüst, "Regierungsratspräsident" der St.Galler Katholikinnen und Katholiken, seinen Rücktritt per Ende Jahr angekündigt. Kürzlich hat er die Amtsgeschäfte seinem Nachfolger Martin Gehrer übergeben. Bis zu dessen Ausscheiden aus dem Regierungsrat Ende Mai 2016 wird Margrit Stadler-Egli, Vizepräsidentin, den am 17. November gewählten neuen Präsidenten vertreten.

Hans Wüst absolviert in diesen Tagen einen "Abschiedsmarathon" in vielen verschiedenen Gremien, den Mitarbeitenden und auf schweizerischer Ebene aus der Römisch Katholischen Zentralkonferenz RKZ, dem Zusammenschluss der Kantonalkirchen. Drei Jahre lang stellte St. Gallen im dualen System der Schweiz die beiden "höchsten Kirchenvertreter": Markus Büchel als Präsident der Schweizer Bischofskonferenz und Hans Wüst, RKZ-Präsident. Die beiden arbeiteten nicht allein auf Schweizerischer Ebene, sondern auch im Kanton St. Gallen sehr gut zusammen.

Auf dem Tandem
Für die Zusammenarbeit der kirchenrechtlich verfassten hierarchischen Kirche, die vom Bischof geleitet wird, mit den staatskirchenrechtlichen Körperschaften, die nach demokratischen Grundsätzen aufgebaut sind, hatte Hans Wüst jeweils das Symbol eines Tandem zu Hilfe genommen: "Je nach Aufgabe sitzt jeweils der Bischof oder der Administrationsratspräsident vorne und lenkt das Gefährt". Dass die beiden ein gutes Team waren, wurde in vielen Zusammenhängen deutlich. Bischof Markus Büchel dankte ihm in der Abschiedsfeier mit den aktuellen und bisherigen Administrationsräten herzlich für dieses gute Zusammenspiel und betonte auch hier wieder: alle Getauften stehen in ihren spezifischen Ämtern im Dienst der Kirche, ob auf Bistums- oder staatskirchenrechtlicher Ebene.

Altarraumgestaltung
Hans Wüst hat intensive Zeiten hinter sich. Befragt nach den wichtigsten Geschäften nennt der Schmerkner als erstes die Neugestaltung des Altarraums im UNESCO-Weltkulturerbe Kathedrale, der im September 2013 eingeweiht wurde. Er und seine Mitarbeitenden waren in der Entscheidungs-, Projekt- und Bauphase stark gefordert: es gab heftige Diskussionen um die Neugestaltung. Hans Wüst ging selbst mit unfairen Reaktionen stets nach Art eines souveränen Politikers um. Das fertiggestellte Projekt stösst heute national und international auf positives Interesse.

In der Amtszeit des scheidenden Administrationsratspräsidenten wurden wichtige Jubiläen gefeiert: 200 Jahre Katholischer Konfessionsteil, das Gallusjubiläum und 200 Jahre Flade (Katholische Kantonssekundarschule). Betreffend flade gab es intensive Verhandlungen mit der Stadt über Finanzen und Ausrichtung der Schule. Reorganisation ist ein weiteres wesentliches Stichwort seiner "Regierungszeit". Die Administration wurde umgebaut, der Administrationsrat arbeitet jetzt im Ressortsystem und mit den beiden Appenzeller Kirchen ist eine Vereinbarung zur Mitfinanzierung des Bistums unterzeichnet worden.

Gern in St.Gallen
In Situationen der Neuorientierung gab es viel zu verhandeln und im Kollegienrat zu vertreten, beispielsweise die Sanierung der Caritas St.Gallen-Appenzell, das Personal- und das Gemeindeverbands-Dekret und viele Bauvorlagen. Die Pensionskasse ist seit 2015 verselbständigt und neu im Beitrags- anstatt wie früher im Leistungsprimat. Schwierige Situationen gab es auch medial zu bewältigen. "Dass ich es sogar in die Sonntags Zeitung eines grossen Schweizer Boulevard-Blattes schaffte, war nicht mein Verdienst", erzählt Hans Wüst. Auslöser waren Konflikte zwischen staatskirchenrechtlichen Organen und den Verantwortlichen eines anderen Bistums. "Ich reiste von schweizerischen Anlässen immer wieder gern ins Bistum St.Gallen zurück", fasst der Administrationsratspräsident die Situation zusammen.

Als Pilger unterwegs
In allen Aufgaben, es wären noch viele, hat Hans Wüst sehr von seiner Erfahrung als ehemaliger Gemeindepräsident und als Leiter eines grossen Alterszentrums profitiert. Egal wie hektisch die Zeiten waren, seine Familie gab ihm grossen Rückhalt. Hans Wüst hat schon während der Präsidialzeit viele Kilometer auf dem Jakobsweg zurückgelegt. "Nicht weil mein Amt zum Davonlaufen war", sagt er schmunzelnd. Der Grund ist vielmehr, dass ihm wie seiner Frau Annelies die persönliche Spiritualität sehr nahe ist. Bereits ist die nächste Etappe geplant: von Burgos bis nach Santiago de Compostela. Ein Pilgerstock ist eines von vielen kleinen Geschenken, das ihm seine Administrationsrats-Kolleginnen und Kollegen mit auf den nächsten Lebensabschnitt geben.

Der abtretende Administrationsratspräsident Hans Wüst (l.) mit seinem Nachfolger Martin Gehrer und Vizepräsidentin Margrit Stadler-Egli.
 
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