Katholiken-Parlament wählt seine «Regierung»

Freitag, 11. September 2015

Sitzung des Katholischen Kollegiums am Dienstag, 17. November
Katholiken-Parlament wählt seine «Regierung»

In der Herbstsitzung des Katholischen Kollegiums steht die Wahl des Administrationsrates inklusive Präsidium im Fokus. Administrationsratspräsident Hans Wüst tritt per Ende Jahr zurück, Martin Gehrer kandidiert für seine Nachfolge. In der Kathedrale sind aufwändige Renovations- und Reinigungsarbeiten geplant. Das Lapidarium (Ausstellung unter der Stiftsbibliothek) soll saniert und modernisiert werden. Die Projektkosten im Stiftsbezirk betragen gesamt rund zwei Millionen Franken. Das 60-Millionen-Budget 2016 mit einem Defizit von 167'000 Franken entspricht einer «roten Null».

 Für viele Kollegienräte ist es die erste Sitzung. Kollegiums-Präsident André Straessle wird sie vereidigen. Die letzte Sitzung ist es für den Administrationsratspräsidenten Hans Wüst. Zum Auftakt der Sitzung wählt das Kollegium am 17. November den Administrationsrat und den Administrationsratspräsidenten oder -präsidentin per 1. Januar 2016. Regierungsrat Martin Gehrer tritt Ende Mai 2016 aus der Kantonsregierung zurück und wird, sofern der «katholische Kantonsrat» ihn wählt, neuer «Regierungspräsident» der Katholikinnen und Katholiken im Kanton. Für den Administrationsrat treten weiter alle Bisherigen wieder an: Lothar Bandel, Montlingen; Hans Brändle, Flawil, Fridolin Eberle, Bad Ragaz, Raphael Kühne, Flawil, Elisabetta Rickli-Predrazzini, St.Gallen und Margrit Stadler-Egli, Bazenheid.

Renovations- und Erneuerungsarbeiten Kathedrale
Der Innenraum der Kathedrale ist durch Russ und Staub verschmutzt. Der Administrationsrat beantragt dem Kollegium, den liturgisch wie touristisch bedeutenden Innenraum der Barockkirche professionell reinigen zu lassen. Gleichzeitig soll die veraltete Beleuchtung ersetzt werden. Mit den geplanten 230 neuen LED-Leuchten werden auch die gesamte Verkabelung sowie die Steuerung erneuert, um die heutigen Sicherheits- und Energiesparstandards zu erfüllen. Zum Gesamtpaket Innenrenovation Kathedrale gehört weiter die Revision der grossen Domorgel, die gereinigt und wo nötig repariert wird. Am Klangcharakter des Instrumentes wird sich nichts ändern. Die Gesamtkosten des Projektes belaufen sich auf rund 1,4 Millionen Franken.

Lapidarium aufwerten
Im Gewölbekeller der Stiftsbibliothek, dem sogenannten Lapidarium, sind seit 1981 kunsthistorisch wertvolle Exponate wie Kapitelle und weitere Werkstücke der früheren Klosterbauten (9. bis 17. Jahrhundert) ausgestellt. Seit 2000 ist zudem eine Reproduktion der Wanderausstellung «Die Kultur der Abtei St.Gallen» untergebracht. Beide Ausstellungen sind veraltet, die Geschichte des Klosters St.Gallen wird bei einem Ja des Kollegiums in einer zeitgemässen Form und mit neuen Ausstellungstechniken vermittelt. Neu könnten auch originale Handschriften der Stiftsbibliothek einbezogen werden. Das erfordert jedoch bauliche Massnahmen, insbesondere müssen die klimatischen Bedingungen verbessert werden. Die Kosten für Bauarbeiten, diese werden vom Katholischen Konfessionsteil getragen, werden mit 950'000 Franken budgetiert (50'000 Franken bezahlt die Denkmalpflege). Für das Ausstellungskonzept und die Neugestaltung wird mit nochmals demselben Betrag gerechnet. Er soll vollumfänglich aus Drittmitteln wie beispielsweise von Stiftungen, Beiträgen von Stadt, Kanton oder Lotteriefonds finanziert werden.

Aufwertung des Stiftsbezirks
Ziel ist es, im Lapidarium einen modern gestalteten Überblick über die Kulturgeschichte der Fürstabtei St.Gallen zu vermitteln, der sich seit der Ankunft von Gallus um 612 bis zur Aufhebung des Klosters 1805, also über fast 1200 Jahre erstreckt. Der Kanton St.Gallen schafft seinerseits einen neuen Ausstellungsraum für das Stiftsarchiv im Zeughausflügel. Gemeinsam mit der Kathedralrenovation und der Neugestaltung des Gewölbekellers kann der Stiftsbezirk deutlich aufgewertet werden, wodurch höhere Besucherzahlen erwartet werden.

Weitere Geschäfte:
  • Als Reaktion zum Postulat «Wo fliesst unsere Kirchensteuer hin» sowie aufgrund der Tatsache, dass viele Katholikinnen und Katholiken zu wenig darüber wissen, «wo überall Kirche drin ist», beantragt der Administrationsrat einen Kredit von 250'000 Franken für eine Imagekampagne mit breitem Massnahmenmix. Ziel ist es, die vielfältigen Leistungen der katholischen Kirche im Kanton St.Gallen aufzuzeigen. Hauptzielgruppen sind Katholikinnen und Katholiken die wenig Kontakt mit der Kirche haben, aber Kirchbürger sind aber auch aktive Kirchenmitglieder, die in ihrem Engagement gestärkt werden sollen.
  • Das Budget 2016 des Katholischen Konfessionsteils Kanton St.Gallen präsentiert sich mit einem Defizit von 167'000 Franken bei einem Gesamtaufwand von rund 60 Millionen Franken praktisch ausgeglichen. Das Bischöfliche Ordinariat wurde um eine 100-Prozent-Stelle aufgestockt. Ein Budgetposten von 60'000 Franken betrifft die Ausarbeitung des Lehrplan 21 für den Religionsunterricht. Angesichts der schwierigen Situationen weltweit wird der Beitrag für Missions-, Entwicklungs- und Katastrophenhilfe um 130'000 Franken auf gut 1,05 Millionen Franken aufgestockt.
  • Der Administrationsrat beantragt die Totalrevision des Dekrets über den Finanzhaushalt des Katholischen Konfessionsteils. Das bisherige Finanzdekret aus dem Jahr 1980 wird durch eine den heutigen Verhältnissen angepasste Vorlage abgelöst. Diese orientiert sich am neuen Rechnungslegungsmodell von Kantonen und Gemeinden.
  • Das Kollegium wählt zwei Mitglieder des Stiftungsrates der Pensionskasse der Diözese St.Gallen und ein Vorstandsmitglied des Vereins Caritas St.Gallen-Appenzell.
  • Sieben Mitglieder der kollegienrätlichen GPK und deren Präsident werden ebenfalls neu gewählt.


Die Kollegiumssitzung vom Dienstag, 17. November 2015, ist öffentlich. Sie beginnt um 09.15 Uhr im Kantonsratssaal.


Für Administrationsratspräsident Hans Wüst wird es nach acht Jahren an der Spitze der Exekutive die letzte Kollegiumssitzung sein. Als Nachfolger kandidiert Martin Gehrer.

 
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