Katholiken denken selber

Mittwoch, 26. August 2015

Katholiken denken selber

"Ihr alle seid Huonder", schreiben die Freidenker auf Plakaten und in einem offenen Brief an die Adresse der Katholikinnen und Katholiken in der Schweiz. Eine Aussage die verwundert und verletzt. Denn Katholikinnen und Katholiken sind durchaus eigenständige Persönlichkeiten, fähig selber und frei zu denken. Es ist ihnen bewusst, dass "die Kirche" alle gemeinsam sind und dass auch die Katholische Kirche seit ihrem Bestehen eine Einheit in der Vielfalt war. In allen Jahrhunderten wurde viel gestritten und gerungen. So wie in fast jeder Gemeinschaft übrigens.

Aktuellstes Beispiel für ein echtes Ringen sind die Reaktionen auf den Auftritt von Bischof Vitus Huonder in Fulda, in dem er unter anderem das Thema Homosexualität aufgegriffen hat. Gleich mehrere Bischöfe, Markus Büchel (Bistum St.Gallen), Felix Gmür (Basel) und Charles Morerod (Lausanne-Genf-Freiburg) sowie Abt Urban Federer, Benediktinerabtei Einsiedeln, hielten in je eigenen Stellungnahmen ihre vom Vortrag von Fulda abweichende theologische Auffassung fest.

Abgesehen davon: ein Bischof ist nicht die Kirche in der Schweiz. Die Schweizer Bischofskonferenz (SBK) ist kein hierarchisch aufgebautes Gremium. Die Bischöfe und Äbte die der SBK angehören, verantworten ihre Aussagen selber.

Die Freidenker legen mit ihrem offenen Brief und der Plakatkampagne einen missionarischen Eifer an den Tag, der bei den Katholik(inn)en längst nicht mehr zeitgemäss ist. Die Kampagne, die sich gegen die ganze kirchliche Gemeinschaft richtet, erinnert an die Zeiten des Kulturkampfes. Doch die Leistungen der Kirche in Pfarreien, Jugendorganisationen, Fachstellen oder Sozialwerken sind nicht mit wenigen Sätzen abzuwerten, in denen es um einen einzelnen Bischof geht.

Zusammengefasst: Die Katholikinnen und Katholiken treffen ihre Entscheidungen auch in belasteten Situationen als mündige Christinnen und Christen. Sie benötigen keine "Beratung" durch die Freidenker und kein "Feindbild", das für eine Kirchenaustritts-Kampagne missbraucht wird.

Bistum St.Gallen

Sabine Rüthemann, Kommunikationsbeauftragte

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