Im Blick auf Seelsorgeeinheiten

Sonntag, 08. Juni 2014

Sitzung des Katholischen Kollegiums des Kantons St.Gallen vom 16. Juni
Im Blick auf Seelsorgeeinheiten

Ende 2015 sind alle Pfarreien im Kanton St.Gallen in Seelsorgeeinheiten zusammengefasst. Im Blick darauf wird das Katholische Kollegium über einheitliche Anstellungsbedingungen für sämtliches kirchliche Personal im Kanton entscheiden. Für die staatskirchenrechtliche Verwaltung von Seelsorgeeinheiten schlägt der Administrationsrat der Versammlung mit dem Verbandsdekret einheitliche rechtliche Grundlagen vor.

Beide Vorlagen sind eine sinnvolle Reaktion darauf, dass mit den Seelsorgeeinheiten die pastorale Einheit nicht mehr in allen Belangen im Einklang ist mit der Kirchgemeinde als Verwaltungseinheit. In Seelsorgeeinheiten arbeitet ein Pastoralteam für mehrere Pfarreien auf dem Gebiet mehrerer Kirchgemeinden zusammen. Die Errichtung von Seelsorgeeinheiten liegt im kirchenrechtlich geregelten Kompetenzbereich des Bischofs. Staatskirchenrechtlich ist die Seelsorgeeinheit bisher keine Körperschaft. Die Kirchgemeinden in einer Seelsorgeeinheit sind verpflichtet, in Bereichen wie der Anstellung von Personal und dessen Finanzierung zusammenzuarbeiten. Aus diesem Grund hat das Katholische Kollegium im November 2013 den Administrationsrat beauftragt, rechtliche Grundlagen für die staatskirchenrechtliche Verwaltung von Seelsorgeeinheiten auszuarbeiten. Das vorgeschlagene Verbandsdekret basiert auf den Erfahrungen mit Zweck- oder Gemeindeverbänden. Die Kirchgemeinden bleiben bestehen und erfüllen ihre Aufgaben vor Ort weiterhin. Für gemeinsam zu erfüllende Aufgaben wird bei Zustimmung des Kollegiums eine gemeinsame Verwaltungsstruktur geschaffen. Der Administrationsrat beantragt, den zukunftsgerichteten Entwurf zu verabschieden.

Personaldekret
Das Katholische Kollegium entscheidet in der Juni-Sitzung auch über das neue Personaldekret. Die Anstellungsbedingungen für das kirchliche Personal auf allen Ebenen sind heute teils von Körperschaft zu Körperschaft verschieden. Mit der Bildung der Seelsorgeeinheiten wird die Problematik noch verschärft. Aufgrund einer entsprechenden Motion hat der Administrationsrat in über 80 Artikeln einheitliche Anstellungsrichtlinien erarbeitet, die in einem intensiven Vernehmlassungsprozess kommentiert und angepasst wurden. Mit dem Personaldekret wird dem Kollegium ein für Arbeitgeber wie Arbeitnehmer gültiges Rechtsinstrument vorgelegt, das einheitliche und verbindliche Anstellungsbedingungen beinhaltet. Wenn Kirchgemeinden eigene personalrechtliche Bestimmungen erlassen möchten ist das möglich, sofern der Administrationsrat diese genehmigt. Was geregelt wird, ist vergleichbar mit Gesamtarbeitsverträgen in anderen Berufskategorien.

Familienfreundliche Ausgestaltung
Die finanziellen Auswirkungen betreffend einheitlicher Besoldungsregelung werden für die Kirchgemeinden zu keinen spürbaren Mehrkosten führen, ausser die bisherigen Einstufungen waren deutlich zu tief angesetzt. Die Besoldungstabellen mit Klassen und Stufen lassen dem Arbeitgeber einen gewissen Spielraum. Besonders wichtig ist dem Administrationsrat, dass die Kirche eine soziale und familienfreundliche Arbeitgeberin ist und bleibt. Artikel wie Vaterschaftsurlaub, Ferienregelungen und Arbeitszeitregelungen werden in der Kollegiumssitzung voraussichtlich zu Diskussionen Anlass geben. Der Administrationsrat beantragt die Verabschiedung des Personaldekretes.

Weitere Geschäfte
Die Rechnung des Katholischen Konfessionsteils schliesst aufgrund von höheren Zentralsteuererträgen und Minderausgaben, insbesondere in der Kontogruppe Bildung, um rund 917'000 Franken besser ab als budgetiert. Nachdem von 2008 bis 2013 (ausser 2009) die Rechnung regelmässig mit Aufwandüberschüssen bis zu 1,14 Millionen Franken abgeschlossen hat, ist das Ergebnis mit einem Ertragsüberschuss von 0,74 Millionen Franken äusserst erfreulich ausgefallen.

Das Katholische Kollegium hat im November 2013 das Postulat "Wo fliesst unsere Kirchensteuer hin? – Argumente gegen einen Kirchenaustritt" gutgeheissen. Der Administrationsrat hat bereits Stellenprozente für eine verbesserte Medienarbeit geschaffen sowie den Jahresbericht inhaltlich und gestalterisch heutigen Bedürfnissen angepasst. Weitere Massnahmen wie kurze, prägnante Flyer und eine verbesserte interne Kommunikation (allein in den Behörden der Kirchgemeinden sind rund 1200 Personen tätig) wird angestrebt. Im Herbst entscheidet das Kollegium über das Konzept und den Kredit für eine Imagekampagne, die die Leistungen der Kirche verständlich aufzeigt.

Die Sitzung des Katholischen Kollegiums findet am Dienstag, 16. Juni 2015 um 09.15 Uhr im Kantonsratssaal statt. Die Sitzung ist öffentlich. 

Neueinteilung Wahlkreise
Aufgrund veränderter Katholikenzahlen und erfolgten, respektive beschlossenen Vereinigungen von Kirchgemeinden, hat sich die Verteilung der 180 Sitze im Katholischen Kollegium geringfügig verändert. Neu haben die Wahlkreise St.Gallen, Benken und Jonschwil je ein zusätzliches Mandat. Je einen Sitz im Kollegium weniger erhalten künftig Rapperswil-Jona, Eschenbach und Kirchberg-Gähwil. Jede Kirchgemeinde mit 600 und mehr Katholiken bildet einen Wahlkreis. Kleinere Körperschaften werden mit anderen zu einem Wahlkreis vereinigt. Per 31. Dezember 2014 lebten 234'291 Katholikinnen und Katholiken im Kanton. Diese Gesamtzahl wird jeweils durch 180 geteilt, um die Verteilungszahl je Wahlkreis zu ermitteln. 

 

Ratssitzung des Katholischen Kollegiums.
 
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