Sitzung des Katholischen Kollegiums vom Dienstag, 18. November

Dienstag, 18. November 2014

Sitzung des Katholischen Kollegiums vom Dienstag, 18. November
Neues Kollegienrats-Präsidium gewählt

Das Katholische Kollegium wählte den Vizepräsidenten André Straessle, Dr. oec. HSG, St.Gallen, einstimmig zum Nachfolger des bisherigen Präsidenten Beda Haessig, Rheineck. Die vom Administrationsrat beantragten 300'000 Franken an die Sanierung des Klosters Mels wurden nach einem Änderungsantrag um 50'000 Franken aufgestockt. Das Budget 2015 und der Zentralsteuerfuss von wie bisher vier Prozent gaben keinen Anlass zu Diskussionen.

Sofort nach der Wahl übernahm Präsident André Straessle sein Amt. Er bedankte sich herzlich für das Vertrauen der Versammlung sowie bei seinem Vorgänger Beda Haessig für die "zweijährige Lehre", die er als Vizepräsident durchlaufen durfte. Zum neuen Vizepräsidenten wurde einstimmig Paul Gähwiler-Wick, Henau, gewählt. Die Amtsdauer ist jeweils auf zwei Jahre befristet.

Budget und Zentralsteuer
Das Kollegium entscheidet traditionell in der Herbstsitzung über den Voranschlag für das kommende Jahr sowie den Zentralsteuerfuss. Bei einem Gesamtaufwand von 59 Millionen Franken und einem Ertrag von 58,9 Millionen Franken ist das Budget des Katholischen Konfessionsteils praktisch ausgeglichen. Administrationsratspräsident Hans Wüst informierte, dass das Ausbau-Projekt Wallfahrtsort "Maria Dreibrunnen", Wil, von der Kirchbürgerschaft abgelehnt wurde. So entfällt zusätzlich ein Beitrag des Konfessionsteils von 120'000 Franken, was das Budget nochmals entlastet. Die Geschäftsprüfungskommission (GPK) betonte in der Versammlung, dass der Administrationsrat weiter seinen konsequenten Sparkurs verfolgen solle. Die Anträge der GPK auf den Voranschlag 2015 eintreten und den Zentralsteuerfuss bei vier Prozent der einfachen Steuer zu belassen wurden einstimmig angenommen.

350'000 Franken für Kloster Mels
Zum Beitrag an die Klostersanierung Mels gab es die intensivsten Diskussionen und zwei Änderungsanträge. Das Kapuzinerkloster Mels ist stark sanierungsbedürftig. Für die Arbeiten werden Gesamtkosten von an die sieben Millionen Franken anfallen.

Die Regionalgruppe Werdenberg/Sarganserland beantragte, nicht die vom Administrationsrat vorgeschlagenen 300'000 sondern 450'000 Franken für das Projekt zu sprechen. Louis Hüppi, Vilters, hielt ein engagiertes Plädoyer zugunsten der Kapuziner, die tief verankert sind in der Region. "Für die Seelsorge im Sarganserland sind die Ordensleute unentbehrlich", betonte er. "Die Kapuziner werden sieben Standorte in der Schweiz längerfristig erhalten, darunter Mels und Rapperswil", sagte Louis Hüppi weiter und bat eindringlich, den Betrag aufzustocken für dieses zukunftsweisende Sanierungsprojekt. Auch für den Administrationsrat sei die Notwendigkeit der Klostersanierung unbestritten, betonte Administrationsratspräsident Hans Wüst. Trotzdem plädierte er für 300'000 Franken. "Wir sind allen Klöstern und Gemeinschaften im Bistum sehr dankbar, sie leisten überall wertvolle Seelsorgearbeit", ergänzte der Administrationsrats-Präsident. So gesehen sei zu erwarten, dass weitere Finanzierungsanträge auf den Katholischen Konfessionsteil zukommen, verschiedene Beiträge seien in den letzten Jahren bereits gesprochen worden.

Die Finanzen wieder gänzlich ins Lot zu bringen sei aber noch nicht ganz gelungen, man müsse haushälterisch umgehen mit dem Geld. Das Kollegium stimmte mit 88 zu 74 Stimmen für die Beitragshöhe von 300'000 Franken.

Kollegienrat und Historiker Johannes Huber begründete für die vorberatende kollegienrätliche Kommission einen weiteren Änderungsantrag. Er schlug in ihrem Namen vor, 50'000 Franken zur Renovierung der barocken Kirchenausstattung zu sprechen, was von der Versammlung einstimmig befürwortet wurde. So erhalten die Kapuziner gesamt 350'000 Franken; der Betrag wird innert fünf Jahren abgeschrieben.

Kenntnisnahme flade-Verhandlungen
Susi Wick (Wil) informierte über den Stand Verhandlungen betreffend Führung und Finanzierung der flade als öffentliche Oberstufenschule. Hier gab es keine Abstimmung, sondern lediglich Kenntnisnahme durch das Kollegium. Im Juni 2013 hatte der Kantonsrat entschieden, ab 2016 den Beitrag von zwei Millionen Franken nicht mehr zu leisten. Der Administrationsrat hat unterdessen mit der Stadt eine verbesserte Finanzierungslösung ausgearbeitet, die jedoch bis 2018/19 befristet und auf 358 Schüler/-innen begrenzt ist. Neu zahlt St.Gallen ein Schulgeld von 12'000 Franken im Jahr/Schüler/-in, was eine Aufstockung der bisherigen 2,6 Millionen um 1,7 Millionen pro Jahr bedeutet. Die Kollegienrätin betonte, dass Stefan Kölliker, Erziehungsdepartement, wie Stadtpräsident Thomas Scheitlin die hohe Qualität der flade anerkennen. Die Stadt habe schon viele Jahre viel Geld gespart, da ein grosser Teil der Schulkosten für städtische Schülerinnen und Schüler in der flade von den Katholikinnen und Katholiken im Kanton St.Gallen bezahlt wurde. Der Katholische Konfessionsteil bezahlt jährlich 2,6 Millionen Franken an den Schulbetrieb, die katholische Kirchgemeinde St.Gallen 1,1 Millionen Franken.

 

Zur Person: André Straessle
André Straessle (1955) ist seit 2011 Kollegienrat, ab 2012 Vizepräsident. Von 2004 bis 2012 war er Pfarreiratspräsident in St. Fiden. Der engagierte Katholik hat guten Einblick erhalten in beide Seiten des Dualen Systems: die vom Bischof verantwortete Pastorale Seite mit Bistum und Pfarreien sowie den staatskirchenrechtlichen Bereich, den Katholischen Konfessionsteil des Kantons St.Gallen mit allen Kirchgemeinden. Die ökumenische wie die gesellschaftliche Vernetzung ist ihm ein wichtiges Anliegen. "Mit Vertretern der evangelischen Synode oder mit dem Präsidium des Kantonsrates möchte ich regelmässig die praktische Umsetzung christlicher Werte diskutieren, Inputs für die Kollegiums-Arbeit erhalten und die Position des Konfessionsteils vertreten", erklärt André Straessle. Er wird anlässlich von Besuchen die Regionalversammlungen näher kennenlernen. "Durch meine Teilnahme an vielen Anlässen werde ich versuchen, die Leistungen der Kirche bekannter zu machen", ergänzt André Straessle. Sein Vorgänger, Beda Haessig, war in zwei Jahren an rund 90 Anlässen als Vertreter der staaskirchenrechtlichen Organisation im Kanton St.Gallen vertreten.

André Straessle ist promovierter Ökonom HSG und als Mittelschullehrer tätig. Der neue Präsident ist verheiratet und Vater von vier erwachsenen Kindern. Seit vielen Jahren engagiert er sich zudem in der Organisation "Nandri – Hilfe für Südindien" (www.nandri.ch). 

 

Selbstbewusst auftreten
Beda Haessig erlebte in seiner Präsidialzeit das 200-Jahr-Jubiläum des Konfessionsteils und teils schwierigen Themen wie die Sanierung der Caritas oder die Altarraumgestaltung der Kathedrale. Die Vitalität des dualen Systems ist nach wie vor in den Regionalversammlungen zu finden. "Dort finden die hitzigen Diskussionen statt", sagte Beda Haessig. Wertvoll waren ihm auch die ökumenischen Sitzungen oder die Begegnung mit anderen Kantonalkirchen. "Diese vielfältigen Erfahrungen hatte ich mir vor der Wahl erhofft, aber nicht in dieser Füll erwartet", bilanzierte Beda Haessig. An die Kollegienräte gewandt sagte er: "Sie repräsentieren die älteste staatskirchenrechtliche Organisation der Schweiz und sind Eigentümer eines Weltkulturerbes!". Er ermunterte die Mitglieder des Katholischen Kollegiums auf, diese Werte hoch zu achten und selbstbewusst aufzutreten, "Sie haben allen Grund dazu".

 

Die neu Gewählten - Vizepräsident Paul Gähwiler-Wick, Henau, (l) und Präsident Dr. André Straessle, St.Gallen (r)
 
Der bisherige Kollegiumspräsident Beda Haessig gratuliert seinem Nachfolger Dr. André Straessle (l) zur Wahl
 
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