Interview mit dem abtretenden Kollegiumspräsident Beda Haessig

Montag, 17. November 2014

Interview mit dem abtretenden Kollegiumspräsident Beda Haessig

Beda Haessig (1950) war zwei Jahre lang "höchster St.Galler-Katholik" – Präsident des Katholischen Kollegiums des Kantons St.Gallen. Morgen Dienstag wird in der November-Sitzung nach zwei Jahren sein Nachfolger gewählt. Ein Rückblick und ein Ausblick im Interview mit Beda Haessig.

Beda Hässig – wie wird man Kollegienrats-Präsident?
Das Katholische Kollegium ist hier wie der Kantonsrat oder der Nationalrat in der gut Schweizerischen Tradition des Ausgleichs. Die sieben Regionalversammlungen schlagen abwechslungsweise einen Präsidenten/eine Präsidentin vor. Das ist nicht in Stein gemeisselt, aber hat Tradition.

Was ist also morgen zu erwarten?
Die Region St.Gallen stellt diesmal den Kandidaten, André Straessle. Er war bisheriger Vizepräsident und hat sicher perfekte Chancen. Zudem konnte er sich als Vize bereits gut einarbeiten.

Wie war ihr Start in das neue Amt?
Schwierig und spannend zugleich. Ein kleines Universum öffnete sich, die Verantwortung ist nicht zu unterschätzen. Der Katholische Konfessionsteil verwaltet immerhin ein Budget von rund 60 Millionen Franken jährlich. Als Kollegienrat studiert man die Geschäfte und stimmt darüber ab. Als Präsident hat man oft die Gelegenheit, Menschen kennen zu lernen, die hinter diesen Geschäften stehen.

Wie meinen sie das?
Ich war in meinen zwei Amtsjahren an ca. 90 Anlässen. An der Brevetierung der Kantonspolizei beispielsweise. Oder am Treffen mit dem ehemaligen Sekretär des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen in St.Gallen. Meine Aufgaben ermöglichten mir Kontakt mit anderen Kantonalkirchen, aber auch mit Fachstellen des Bistums St.Gallen oder in die Flade.

Gab es schwierige Momente?
Schwierige Themen. Ja. Die Sanierung der Caritas St.Gallen-Appenzell war eine Herausforderung, ich bin froh, dass sich das Kollegium ohne Gegenstimme hinter diese wichtige Fachstelle des Bistums St.Gallen gestellt hat. Der neue Altarraum war von Misstönen begleitet. Und hier haben wir auch zwei Themen, die in weiter entfernten Regionalversammlungen nicht immer so leicht zu vermitteln sind. Im Linthgebiet beispielsweise interessiert der Altarraum in der Kathedrale nicht so sehr wie in der Stadt St.Gallen. Das ist verständlich.

Und ein Problem?
Wenig. Es gibt immer wieder Geschäfte, die einzelne Regionen mehr betreffen als andere. Meist ist aber eine grosse Solidarität spürbar, manchmal wird aber auch die Notwendigkeit einer Investition angefragt. Und es gibt natürlich Themen, die überall aktuell sind, beispielsweise die Errichtung von Seelsorgeeinheiten. Uns beschäftigen hier nicht pastorale Fragen, das ist Sache von Bischof, Bistum, Seelsorgenden. Wir arbeiten daran, wie Kirchgemeinden möglichst gut und effizient zusammenarbeiten können.

Was würden Sie in ihrer Amtszeit als Erfolg bezeichnen?
Ein Präsident hat nicht Erfolg oder nicht! Alle wirken zusammen, Kollegium, Administrationsrat, Mitarbeitende in der Verwaltung des kath. Konfessionsteils des Kantons St.Gallen. Die Einladungen zum 200-Jahr-Jubiläum des Konfessionsteils in den Stiftsbezirk waren eine tolle Sache. 1300 Besucherinnen und Besucher. Es gab nicht nur einen Festakt für geladene Gäste, viele Interessierte nützten die Gelegenheit. Überhaupt war die Zusammenarbeit aller Gremien immer gut, dafür bin ich sehr dankbar.

Wie sehen Sie als Katholik die Zukunft unserer Kirche?
Ich bin kein Pessimist. Und über den Ruck, der durch die Bischofssynode weltweit spürbar war, habe ich mich sehr gefreut. Es hat mich überrascht, dass über alle, wirklich alle Facetten im Bereich Partnerschaft, Ehe, Familie gesprochen und Resultate sehr offen kommuniziert wurden. Auch über Konflikte wurde berichtet, vor allem im Bereich Homosexualität oder Scheidung/Wiederverheiratung. Auch wenn nicht alle Themen das nötige Mehr erreicht haben, kein Thema ist aus der Agenda für den zweiten Teil der Synode gefallen. Der Papst hat Rückgrat, auch gegen Widerstände wird die Diskussion weitergeführt und nicht abgeblockt.

Und auf Bistumsebene?
Wir hatten auch in der Zusammenarbeit mit Bischof und Ordinariat nie ein Problem. Wichtig sind die vielen Möglichkeiten des Austausches, die hier bestehen. Die Kleinheit unserer Diözese und des Kath. Konfessionsteils lassen zudem sehr persönliche Begegnungen zu. Ich habe stets die Wertschätzung gespürt, die Bischof und Bistumsleitung unserer Seite, der staatskirchenrechtlichen Organisation, entgegenbringen. Das ist nicht selbstverständlich, für mich aber ein Sinnbild dafür, dass wir alle gemeinsam, alle Getauften, im Dienst der Kirche stehen.

Morgen leiten Sie ihre letzte Sitzung. Und dann?
Ich war in meiner kirchlichen Karriere zwölf Jahre lang Pfarreiratspräsident und viele Jahre im kath. Kollegium. Es ist Zeit, jüngeren Platz zu machen. Der Kirche bleibe ich selbstverständlich trotzdem verbunden, möglicherweise für einige Zeit auch noch als Kollegienrat.

druckenzum Seitenanfangzurück